Der Leistungskurs Geschichte in Wien

5. Tourismus und Lebenskultur

5.1 Wiener Küche und Heurigen"kultur". Die österreichische Hauptstadt für Feinschmecker !

Wiener Spezialitäten und ihre Herkunft

Der Erfolg der Wiener Küche liegt in ihrer Vielfalt. Die abwechslungsreichen Rezepte sind Produkt des ehemaligen Vielvölkerstaates Österreich. So finden sich süddeutsche, böhmische, ungarische, kroatische, slowenische und italienische Einflüsse in der Speisekarte Wiens. So wurde das berühmte Schnitzel von Feldmarschall Radetzky aus Mailand mitgebracht, das Gulasch stammt aus Ungarn und die Liwanzen aus Böhmen. In der k.u.k. Zeit blieben der Wiener Küche viele ausländische Gegebenheiten erhalten, und es entwickelte sich schnell eine eigene Kochkultur. Davon zeugt der unbeschreibliche Kult, den die Wiener um das Fleisch, insbesondere das Rindfleisch, aufgebaut haben. So gibt es eine spezielle "Wiener Teilung" für Rindfleisch, nach der das Fleisch in 36 Klassen eingeteilt wird. Auch sind Eigenarten bei der Sprache typisch für jede Wiener Speisekarte, die manch deutschsprachiger Tourist nicht versteht. Die Kost ist weder leicht noch kalorienarm, doch werden viele Naturprodukte verwendet. Am beliebtesten sind Fleisch- und Mehlspeisen, doch kann man sich auch auf das Süßwasserfisch Angebot freuen, daß in Wien besonders gut ist. Auffallend ist auch die Qualität des Wildes, welches man hauptsächlich in den Monaten Oktober und November genießen kann. Die "Nouvelle Cuisine" findet auch in Wien ihre Anhänger und es bildete sich rasch eine Symbiose zwischen ihr und der traditionellen Küche aus. Die größten Schwierigkeiten mit der Wiener Küche sind Sprachschwierigkeiten, da das Wiener Küchenlatein gespickt mit Mundart-ausdrücken ist. Daher will ich nun einige kulinarische Grundbegriffe näher erläutern.

Das ABC der Wiener Küche

Charakteristisches Merkmal der Wiener Küche ist, daß es eigentlich gar keine Wiener Küche gibt, sondern eher eine Mixtur vieler europäischer Eßkulturen. Genauso bunt wie die Düfte der Speisen sind ihre Namen. Hier will ich die wichtigsten Grundbegriffe erläutern, so daß man auch weiß, was man sich bestellt.

Aschanti = Erdnuß

Backhenderl = Backhuhn

Beuschel = kleingeschnittene Innereien in Sauce

Blaukraut = Rotkohl

Blunzn = Blutwurst

Buchteln = gerne mit Vanillesauce serviertes Hefegebäck

Burenhäudel = sehr fettreiche, meist an Wurstständen konsumierte Brühwurst

Einbrenn = dunkle Mehlschwitze

Fisolen = grüne Bohnen

Flaxn = Sehne

Fleckerln = kleine flache Teigtaschen (mit Schinken, Kraut ...)

Frankfurter = Wiener Würstchen

Fridatten = in Streifen geschnittene Pfannkuchen als Suppeneinlage

Germ = Hefe

Golatschen = Blätterteig mit Topfen, Powidl oder ähnlichem gefüllt

Grammel = Fettgriebe, der Brotaufstrich, der beim Auslassen von Speck und Bauchfilz bleibt

Geselchtes (Gsöchts) = geräuchertes Fleisch

G'spritzter = Achtel Wein mit Soda

Guglhupf = Napfkuchen

Holler = Holunder

Indianer = Schokoladekrapfen

Kalbsvögerl = nußförmiges Stück von der Kalbshaxe

Karrée = Schweineschulterstück

Knödel = Kloß (viele Varianten)

Kohlsprosserl = Rosenkohl

Krapfen = Mehlspeise, "Berliner"

Kren = Meerrettich

Krügel = Halbliter-Bierglas

Kudfleck = Kutteln

Kukuruz = Mais

Laberl = Laibchen

Marille = Aprikose

Nockerl = Mehlkloß

Nußbeugel = Kipferl (Hörnchen) mit Nußfüllung

Palatschinken = Pfannkuchen

Panadl = Suppeneinlage mit Brotteig

Paradeiser = Tomate

Pfiff = halbes Seidel

Pofésen = mit Hirn gefüllte Semmelschnitten

Powidl = Zwetschgenmus

Quargel = stark riechender Topfenkäse

Risipisi = Mischung aus grünen Bohnen und Reis

Rollgerstelsuppe = Perlgraupensuppe

Rostbraten = Rippenstück

Scherzl = Anschnitt des Brotlaibes, auch abgeschnittenes Fleisch stück

Schwammerl = kleine Pilze

Seidl = Drittelliter

Tafelspitz = feines gekochtes Rindfleisch

Stelze = Unterschenkelknochen vom Kalb oder Schwein

Topfen = frischer Quark

Weckerl = Kleingebäck

Zwetschgenröster = Pflaumenkompott

Restauranttips

Bei den Restauranttips habe ich auf die Luxusrestaurants (Hauptgericht > 50 DM) von vornherein verzichtet, da sie wohl kaum Ziel unserer kulinarischen Streifzüge durch Wien werden. Ich liste hier hauptsächlich typisch-österreichische Küchen auf, wobei sich neben den Restaurants noch unzählige Würstchenständel und Schnellimbißladeln etabliert haben. Das Angebot an gastronomischen Einrichtungen ist gerade in Wien immens, es gibt alles: von den preiswerten Beisln und bodenständigen Gaststuben bis zu luxeriösen Gourmettempeln und exklusiven Lokalen der "Neuen Wiener Küche". Hier kann nur eine beschränkte Auswahl genannt werden, die jedoch laut Reiseführer ihr Geld wert sind und alle die typischen Wiener Spezialitäten im Programm haben.

Restaurants und Beisln

Alte Backstube, Lange Gasse 34, Tel.: 4061101 (sehr interessantes Ambiente)

Altes Faßerl, Ziegeldorfstr. 37, Tel.: 554298 (Bilderbuchbeisl mit sehr schönem Garten)

Alt Nußdorf, Nußdorfer Platz 4, Tel.: 371277 (bodenständiges Beisl mit riesigen Portionen)

D'Landsknecht, Porzellangasse 13, Tel.: 344348 (feinste hausgemachte Mehlspeisen)

Eckel, Sieveringer Str. 46, Tel.: 323218 (Prominententreff mit vorzüglichem Weinkeller- holzgetäfelte Schankstube und schattiger Garten)

Figlmüller, Wollzeile 5, Tel.: 5126177 (legendäre Wiener Schnitzel)

Gulaschmuseum, Schulerstr. 20, Tel.: 5121017 (das deftige Gulasch ist unerreicht)

Hauswirt, Otto-Bauer-Gasse 20, Tel.: 5871261 (lecker Topfenpalatschinken und Kaiserschmarn; kleiner Garten)

Hedrich, Stubenring 2, Tel.: 5129588 (winziges Lokal der Spizenklasse)

Leopoldsberg, Am Leopoldsberg 1, Tel.: 371680 (traumhafter Apfelstrudel, große Terasse mit herrlicher Aussicht)

Motto, Schönbrunnerstr. 30, Tel.: 5870672 (schwarzes Interieur mit üppigem Blumenschmuck; gemütliche Gartenlaube)

Oswald und Kalb, Bäckerstr. 14, Tel.: 5126991 (ausgezeichnete Hausmannskost)

Peters Beisl, Amethgasse 48, Tel.: 465375 (Vorstadtbeisl für Feinschmecker)

Pfudl, Bäckerstr. 22, Tel.: 5126705 (traditionsreiches Beisel mit Schick)

Rosa Elefant, Fleischmarkt 4, Tel.: 637530 (köstliche Palatschinken; romantische Atmosphäre)

Waldviertlerhof, Schönbrunnerstr. 20, Tel.: 5620382 (wunderschönen Garten und gute Weinaus-wahl)

Zu ebener Erde und erster Stock, Burggasse 13, Tel.: 638125 (schmackhafte Kompositionen aus der Wiener Küche; Jugendstil-Ambiente)

Zur Linde, Rotenturmstr. 12, Tel.: 5122192 (Wiens älteste Gaststätte nahm 1435 den Betrieb auf und serviert bis heute gute Biere vom Faß; angeblich wurde hier der Tafelspitz erfunden)

Zur Stadt Krems, Ziegelgasse 37, Tel.: 937200 (traditionsreiches Beisl mit leckeren Mehlspeisen, kleiner Innenhof)

Für den kleinen Hunger

La Baguette Bistro, Rotenturmstr. 12, Tel.: 5126757 (reiche Auswahl an ofenfrischen Baguettes)

Do und Co, Akademiestrasse 13, Tel.: 5120474 und im Haas-Haus, Stephansplatz 12, Tel.: 5353969 (Delikatessenhandlung mit einigen Tischen, wunderbare Fischhäppchen)

Elsässer Gourmandisen-Manufaktur II, Naschmarkt, Stand 74-75, Tel.: 5878561 (erlesene Elsässer Patés, Quiches und Tartes)

Heurigen"kultur"

Unter Heurigen versteht man Lokale, die ihren selbstgekelterten Wein ausschenken, Sie haben ihre Ursprünge im frühen Mittelalter, seit das Verbot für Weinanbau in den besetzten Gebieten vom römischen Kaiser Probus außer Kraft gesetzt wurde; der Name stammt von den vorwiegend aus letzter Ernte stammenden Weinen, auch "Heurige" genannt, die in diesen schönen Gartenlokalen ausgeschenkt werden. Sie werden auch Buschenschenken genannt und sind meist etwas stiller und kleiner als die Massengastronomie, die die Heurigen-Athmosphäre als Absatzmarkt für angekaufte Weine benützt. Tatsächlich sind heute 2/3 der weinausschenkenden Gaststätten Unternehmen mit Weinankaufslizenz und nur noch 1/3 sind wirkliche Heurige, die ihren eigenen Wein ausschenken. Seit 1989 besteht ein Gesetz zu Gunsten der Original-Heurigen: Es spricht den Heurigenbesitzern das Recht zu, sich mit Hilfe von Schildern (Originaltext: "Ausg'steckt") von den kommerziellen und hemmungslosen Pseudo-Heurigen zu distanzieren. Originale Heurige findet man am Besten in der Tageszeitung unter der Rubrik "Ausg'steckt".

Heurigentips:

5.2 Kaffeehauskultur

Einleitung

Ein echter Wiener geht in ein Kaffeehaus, um dort ungestört zu sein. Im Kaffeehaus haßt er Unruhe, Wichtigtuerei und Getue um Lappalien. Zu einer anderen Zeit, an einem anderen Ort stören ihn diese Eigenschaften weniger, da er sie, wie man ihm nachsagt, selbst alle besitzt. Auch redet ein Österreicher (nicht nur der Wiener) langsamer, läuft langsamer und ißt langsamer, was nichts weiter bedeutet als: er genießt. Auch in Österreich wird, wie überall in Europa, aufgrund der wirtschaftlichen Lage, vieles gekürzt. Worauf der Österreicher, laut neuster Umfrage, dennoch als letztes verzichten würde wäre auf gutes Essen. Man bezeichnet dies auch als eine "kollektive Genußsucht". Diese typischen Eigenschaften der Wiener lassen sich hervorragend mit der Tradition und dem Stellenwert des Kaffeehauses verbinden. Ein echter Wiener geht niemals nur wegen dem Kaffee in ein Kaffeehaus, sondern vielmehr, weil das Kaffeehaus ein Teil seiner Lebensphilosophie ist.

Die Entstehung und die Entwicklung des Wiener Kaffeehauses

Zu der Zeit, als die ersten Kaffesieder vom Kaiser die Erlaubnis bekamen, "daß türkhische Getränkh, als Caffe, The und Scherbet zu preaparieren", waren Cafés in den Städten von Italien und Frankreich schon alltäglich., was natürlich oft von den Feuilletonisten und den Herausgebern von Tourismusbroschüren verschwiegen wird. Während es in Wien 1714 angeblich nur 40 Kaffeehäuser (laut einer anderen Quelle waren es erst 11) gab, sollen es in Paris ungefähr schon 300 gewesen sein. 1700 gab es in Wien vier bürgerliche Kaffeesieder, die alle Armenier oder Türken waren. 1714 waren bereits 11 Kaffeesieder, beziehungsweise 40 im Gewerbe. Mitte des 18. Jahrhunderts erfolgte der große Aufschwung: Während es 1767 immer noch elf beziehungsweise vierzig Kaffeehäuser waren, wuchs die Anzahl bis 1819 auf 150 Stück (davon 22 in der Stadtmitte) und 1910 besaß die Stadt Wien schon 202 Kaffeehäuser. Heute gibt es in Wien bereits über 500 Cafés.

Sehr verbreitet ist die Legende um die Gründung des ersten Wiener Kaffeehauses. Sie besagt, daß ein Mann namens Georg Franz Kolschitzky (eigentlich Koltschitzky!) , der wahrscheinlich ein aus Polen stammender Armenier war, welcher während der zweiten Türkenbelagerung, im Jahre 1683, als kaiserlicher Kundschafter tätig war, mutig das feindliche Lager durchquerte und somit die Verbindung zwischen der eingekesselten Stadt und dem Entsatzheeres, das dem polnischen Königs Sobieski unterstand, herstellte, indem er dem damaligen Bürgermeister Andreas von Liebenberg die Nachricht vom Eintreffen des Heeres überbrachte. Zum Dank und Lohn für seine tapferen Kundschafterdienste, habe er die Erlaubnis erhalten, ein Kaffeehaus zu gründen. Auch das halbmondige Kipferl, eine der Wiener Spezialitäten, soll der legendäre Kolschitzky selbst kreiert haben, um so genüßliche Rache an den besiegten Türken zu nehmen. In Wahrheit hat Kolschitzky jedoch niemals ein Kaffeehaus besessen und starb 1694 völlig verarmt in Wien.

Tatsächlich wurden die ersten Kaffeehäuser von zwei armenischen Kaufleuten eröffnet. Das erste Lokal wurde, aufgrund eines Kaffeeausschankprivilegs, am 17. Januar 1685 von dem Armenier Johannes Diodato (oder Deodato), einem geschäftstüchtigen Geheimagenten des Hofkriegsrates, eröffnet. Der zweite Begründer war Isaak de Luca beziehungsweise Sahal Lucasian, der 1697 das bürgerliche Gewerbe der Kaffeesiederei einführte.

Geistesgrößen und Prominenz im Wiener Kaffeehaus

Spätestens in der Zeit des Biedermeier (1820- 1850) wurde das Wiener Kaffeehaus zum Treffpunkt und Zentrum der städtischen Intelligenzija. Namhafte Künstler und Literaten, wie der etwas kauzige Hofrat Franz Grillparzer, sowie Moritz von Schwind, Nikolaus Lenau, nach dessen Meinung drei Dinge zum vollkommenen Dasein gehörten, nämlich der duftende Mokka am Tisch, die Pfeife im Mund, die man in einigen Cafés sogar gestellt bekam, und eine Idee im Kopf, und Ferdinand Raimund, der übrigens ein guter Billardspieler war, waren zum Beispiel täglich im "Silbernen Kaffeehaus", dessen Besitzer Ignaz Neuner war, anzutreffen. Schon Mozart spielte im Wiener Kaffeehaus Billard. Oder etwa ein gewisser Herr Bronstein, der regelmäßig das "Café Central" aufsuchte, und welcher jahrelang, und unteranderem in diesem Kaffeehaus, seine politischen Theorien aufstellte, die er dann unter seinem späteren Namen Leo Trotzki in der russischen Revolution verwirklichte. Auch war dies die Zeit, in der die Komponisten Launer und Strauß, die bekannt für ihre Walzer sind, in den zu dieser Zeit entstehenden Konzertcafés spielten und dort ihre ersten Triumphe feierten. Um die Jahrhundertwende, und auch noch in der Zwischenkriegszeit, waren die Kaffeehäuser "Herrenhof", "Griensteidl" und "Central" die Treffpunkte der wiener Geistesgrößen. An diesen

Orten wurden unteranderem entscheidende Grundsteine der zukünftigen Weltliteratur, Weltpolitik, Musik, Malerei, Architektur und der Seelenkunde gelegt. Für viele ist das Literatencafe tot, da heutzutage jeder zu Hause bleibt und jeder seinen eigenen Weg geht. Vorbei sind die Zeiten der Stammtisch- und Kaffeehausrunden.

Das Kaffehaus in der Krise ?

Ein entscheidender Grund, warum man heute nicht mehr behaupten kann, daß das Kaffeehaus ein Ort sei, von wo aus entscheidende, schöpferische und weltbewegende Ideen ausgehen, stellt die Vernichtung und Vertreibung der 200000 Wiener Juden dar, deren Fehlen sich auch in den Kaffeehäusern entscheident bemerkbar machte. In den Jahren nach dem Krieg wurden zahlreiche Kaffeehäuser in Bankfilialen oder Autosalons umgewandelt. Somit ist das heutzutage so berühmte Wiener Kaffeehaus nicht identisch mit seinen "Vorfahren" vor 1939, sondern nur verwandt. Auch fehlt heutzutage die Sitzkassiererin am Eingang, die bis um 1840 das einzige weibliche Wesen im Kaffeehaus war, die die Registrierkasse bediente und an der Kuchenvitrine arbeitete, sowie der Piccolo, ein junger Knabe, der dem Ober als Assistent diente, die Tische abräumte, die Zeitungen zuordnete und die Gläser mit dem kostenlosen Trinkwasser auffüllte. Dennoch ist das Kaffeehaus, nach einer Existenzkrise in den 60er beziehungsweise 70er Jahren wieder auf dem besten Weg zu seiner ursprünglichen Form zurückzufinden. So schreibt ein Frauenmagazin, daß in der Zeit der verschärft interlektuellen Auseinandersetzung in Wien die Tradition der Stammtische und Kaffeerunden entstand, was sich bis heute nicht geändert habe: Quer durch alle gesellschaftlichen Schichten liebt der Wiener sein Stammlokal beziehungsweise sein Stammcafé, sei es als Nachrichtenbörse, Kristallisationspunkt und als kollektve "Couch" zur wortreichen Aufarbeitung von Beziehungskisten und allgemeinem Weltschmerz.

Das neue alte Kaffeehaus

Beliebt sind heutzutage wieder, vorallem bei den Touristen, die namhaften Cafés am Ring und rund um die Burg: die Sachers, Demels, Centrals und Landtmanns. Zwanghaft wird versucht wieder die Atmosphäre von "damals" herzustellen. Die Preise in diesen Cafés sind hoch. Dennoch ist ein kleiner Teil aus der Blütezeit der Wiener Cafés erhalten geblieben, und seien es nur ein paar ältere Damen, die sich in einem Kaffeehaus unterhalten ("Tratscherl"), die älteren Herren, die nachmittagelang Schach, Domino, Bridge oder Billard spielen, die Stammgäste, die mit zeitunglesen die Zeit totschlagen, oder der Rentner der "schweigend und regungslos, in einer Art stumpfsinnigen Nachdenklichkeit,"wie es der Literat Ludwig Hirschfeld nannte, die Stunden verdöst. Obwohl sich kleine, moderne Cafés in Wien sehr stark durchsetzten, tragen diese oft noch immer die traditionellen Züge des alten Kaffeehauses.

Das Wiener Kaffeehaus ist ein Mythos. Man bekommt in den über 500 Cafés alles: vom Frühstück über das Mittagessen bis zum Abendessen und dank der teilweise überlangen Öffnungszeiten sogar noch seinen nächtlichen Drink.

Ober und Stammgast

Es heißt, daß die Ober (der Oberkellner heißt in Wien übriges "Marqueur") in Wiener Kaffeehäusern zuvorkommend sind, wenn man entweder "Doktor" heißt, oder ein Stammgast ist. Die Erwartungen an Wien erfüllt auch der Ober: "Seine ausgesuchte Höflichkeit, Dienstbereitschaft und Geschäftsfähigkeit unterlegt er er mit einer völlig undurchschaubaren, in Jahrzehnten angelaufenen Beinarbeit, die immer in leichtes Fallen überzugehen droht und ihn eigentlich verlangsamt." Der Ober trägt, wie seine Kollegen früher, eine schwarze Frackweste, eine Schleife und die Geldtasche an der Hüfte. Dennoch sind sie nicht mehr das, was sie einmal waren: nämlich die Regisseure (Spielleiter), die Inspizienten (jemand, der für einen reibungslosen Ablauf einer Aufführung verantwortlich ist) und die Conférenciers (Sprecher, Ansager) ihrer Kaffeehäuser.

Ein Mann erzählt über die wichtigsten Stationen seines Wiener Lebens: "Ich werde das nie vergessen, wie ich von dem Herr Alois eine Flasche hingestellt bekam. So wie ein Ausweis: Jetzt sind sie Stammgast. Das sind Erlebnisse, die man erst haben muß. Da hab' ich gedacht: Jetzt bist du erst 24 und schon Stammgast im "Schopenhauer!".

Im Tagesablauf des Wieners spielt das Kaffeehaus eine weitaus größere Rolle, als zum Beispiel bei den Schweizer oder den Deutschen. Es ist in Wien wie nirgendwo sonst Heimat. Die Heimat des Geistes, die Heimat für die Leute, "die allein sein wollen, aber dazu Gesellschaft brauchen.". Damit meinte Alfred Polgar, einer der größten Feuilletonisten im ersten Drittel dieses Jahrhunderts, die Nachkriegsversion des Kaffeehauses, das er auch als "öffentliches Wohnzimmer" bezeichnete. Man trifft sich dort mit Freunden oder Bekannten um Bridge oder Karten zu spielen, um geschäftliche Besprechungen abzuwickeln oder um stundenlang Zeitung zu lesen, wobei man ständig, unaufgefordert und gratis das zum Kaffee servierte Wasser ständig erneuert beziehungsweise nachgeschenkt bekommt.

Auch sitzt und saß man in einem Kaffeehaus nicht irgendwo, sondern man sucht sich seinen Tisch genau aus. Es kommt ganz darauf an, auf was man es abgesehen hat und was man erreichen will. Möchte man im Mittelpunkt stehen und gesehen werden, so wählt man einen Platz in der Mitte des Cafés. Will man dagegen seine Ruhe oder lieber andere Leute beobachten, so sucht man sich einen Platz am Fenster aus, oder einen Tisch, der versteckt neben dem Eingang steht .Und wenn man heutzutage als Einwohner Wiens schon nicht mehr denselben Platz beanspruchen kann, so versucht man zumindest in den angestammten Teil des Kaffeehauses zu sitzen.

Traditionen und Spezialitäten

Die Zeitung

Oft liegen auf einem Tisch viele nationale und internationale Zeitungen. Seien es die Times, der Corriere della Sera, der Figaro, die Frankfurter Rundschau oder etwa die Süddeutsche Zeitung, wobei dort, im Gegensatz zu den wenigen bestehenden Wiener Journale, eine große Anzahl von deutschen Zeitungen und Zeitschriften auslag. Zeitungen sind ein nicht wegzudenkender Gegenstand in den Wiener Kaffeehäusern. Sinn dieser kostenlosen Lektüren, die einem zusätztlich helfen Geld zu sparen, ist es, sie bei einem Kaffee zu lesen, sie durchblättern, um die Zeit totzuschlagen, sich zu entspannen, sich hinter ihnen zu verstecken, um Leute beobachten zu können oder selbst nicht gesehen zu werden oder einfach die Tatsache neuste Informationen aus aller Welt zu erhalten.

Das Gebäck

Zu einem Kaffee gehört natürlich auch Gebäck, das in allen guten Kaffeehäusern, in einem Körbchen auf dem Tisch steht. Sei es das halbmondfömige Kipferl (Hörnchen), der Gugelhupf oder ein Beugel, ein meist mit Nuß gefülltes Gebäck. Beliebt und bekannt sind auch die Sacher- und Pischingtorte, der Apfelstrudel, sowie allgemein alle Wiener Waffelspezialitäten, mit einer Schoko-, Nuß- oder Mandelfüllung.

Der Kaffee

Das aus gerösteten Samen der Kaffeepflanze bereitete Getränk, wurde um 1683 , nach der Belagerung der Türken in Wien, eingeführt. Der Türken-Trunk blieb jedoch bis ins 19. Jahrhundert ein Luxusartikel.

In früheren Zeiten war es üblich den Kaffe nach Farbe zu bestellen. Der Gast schaute sich die auf dem Tisch liegende oder vom Ober vorgezeigte Farbskala an, wählte sich den gewünschten Farbton aus und bestellte sich dann zum Beipiel einen "Fünfundzwanziger". Diese Zeiten sind zwar vorbei, aber es gibt immer noch geheimnisvolle Bestellungen, die dem Ausländer oder dem Tourist ein Rätsel sind. Beispiele dafür sind: "Eine Schale Gold, mehr hell, bitte!" oder "Einen Kapuziner!".

Ein Tip: Als Tourist sollte man sich angewöhnen das Wort "Kaffee" nicht auf der ersten, sondern immer auf der letzten Silben zu betonen, da man sich so leicht eine verdünnte Brühe, statt das gewünschte Getränk einhandelt. Auch sollte man sich davor hüten "Schlagsahne" oder "Sahne" statt "Schlagobers" zu sagen, da man sich sonst unweiger-lich das Etikett "Preuße" einhandelt.

Möchte man also einen Kaffee mit Schlagsahne, so sagt man entweder mit "Schlagobers" oder "mit Schlag" (Ausnahme: Einspänner). In Wien trinkt man auch nicht, wie hier in Deutschland, aus Tassen, sondern aus "Schalen". Je nach Schalengröße bestellt man einen "Großen" oder einen "Kleinen" (Ausnahme: Einspänner und Eiskaffee).

Vielfältigkeit der Wiener Kaffeezubereitung

Grosser (kleiner) Schwarzer = große (kleine) Tasse Kaffee

Grosser (kleiner) Brauner = große (kleine) Tasse Kaffee mit einem Schuß Milch

Nuß und Gold = Abarten des Braunen, die sich lediglich durch ihre Milchanteile unterscheiden

Verlängerter Brauner = mit Wasser verdünnter Schwarzer

Fiaker = Kaffee im Glas serviert

Neben diesen obengenannten, seltenen Kaffeerezepten gibt es in Wien noch mehrere Dutzend gebräuchliche Zubereitungsarten. Wenn man beim Kellner einen "Kaffee" bestellt, ist das ungefähr genauso, als ob man in einen Tabakladen geht , der in Wien übrigens Trafik heißt, und dort eine Schachtel Zigaretten verlangt.

Einige Kaffeehäuser

Die Tische, Stühle und die abgewetzten Polsterbänke, auf den morgens die Schulschwänzer und nachmittags die Studenten sitzen, stehen dichtgedrängt. Frau Hawelka, die im Jahre 1992 bereits 89 Jahre alt war, trug damals täglich um genau 22 Uhr die ofenfrischen Buchteln (ein Hefegebäck) in das Café hinein, wie sie es schon zu Zeiten von H.C. Artmann und seinen Kumpanen Friedrich Achleitner, Konrad Bayer, der sich beim "täglichen Exerzitium des Kaffeehaussitzens" in den Selbstmord hinein grübelte, Ossi Wiener und Gerd Rühm tat, die im "Hawelka" Stammgäste waren. (Ob Frau Hawelka heutzutage immernoch persönlich die "Buchtel- Tradition" vorführt, sie wäre jetzt 94 Jahre alt, ist mir nicht bekannt.) Die Kaffeehauskönigin der Szene im 1. Bezirk, eine alte Frau namens Elfriede Gerstl, die schon zu der Zeit der Dichter und Künstler, hier in diesem Kaffeehaus einen ihrer Stammplätze hatte, beschrieb H.C. Artmann und seine Kumpanen so: Die "Tabakvögel haben Eigenschaften: sie sind meist kurzsichtig, lesen vieles im trüben Lampenlicht auf, brüten in Peluches und Velour, vermehren sich aber höchstens durch Spaltung oder indem plötzlich mehrere in dasselbe Café gehen."

"Café Hawelka"- echter geht es nicht: das alte, berühmte, vom Orginal-Ehepaar Hawelka geführte Ur-Café. Auch hier kennt der Ober seine Gäste ganz genau. Am Wochenende spielt hier von 15-18 Uhr Kaffeehausmusik live. Man sitzt hier noch immer an den Original-Tischen, an denen schon damals der Schriftsteller Alfred Polgar und Hugo von Hofmannsthal saßen. Der wienerische Kellner serviert sehr schnell, läßt sich dennoch beim Bezahlen Zeit.

Cafe Central: das heute originalgetreu restaurierte, vom 19. Jahrhundert geprägte Café in der Herrengasse, war das Stammlokal der literarischen Welt des fin de siècle, auch der wortgewandte Kulturkritiker Karl Kraus, der Dreh- und Angelpunkt der damaligen intellektuellen Welt, hatte dort seinen Stammplath. In diesen Räumlichkeiten wurden die entscheidenden literarischen Debatten und Diskussionen geführt, die Frauen ange-schwärmt und die Selbstdarstellung gepflegt. "Es war die Bühne des Lebens", so Alfred Polgar, der die "Theorie des Café Central" schrieb, sagte damals über dieses Café: "Meridian der Einsamkeit. Seine Bewohner sind größtenteils Leute, deren Menschenfeindlichkeit so heftig ist wie ihr Verlangen nach Menschen." Auch stand für ihn dieses Literatencafé von damals für "eine Weltanschauung, und zwar eine, deren innerster Inhalt es ist, die Welt nicht anzuschauen." Besonders genoß Polgar in diesem Café die "Wurschtigkeit des Augenblicks". Karl Kraus schrieb damals über dieses Kaffeehaus: "Wo die Talente so dicht an einem Kaffeehaustisch zusammensitzen, daß sie einander gegenseitig an der Entfaltung hindern".

Heute ist das Kaffeehaus nur noch ein Abklatsch des Orginals, eine Kopie, der das Flair und die gewisse Atmosphäre fehlt. Auch fehlt dem "Central", seit seiner Wiederent-stehung am historischen Ort in der Herrenstraße 14, sein "Herzstück": nämlich der Arkadenhof, ein mehrstöckiger Gewölbesaal mit Oberlicht.

Diese Hinweise auf 2 Cafés, versucht einen kleinen Einblick in die Welt der Wiener Cafés zu geben, doch bei dieser unglaublichen Vielzahl von verschiedenen Kaffeehäusern und Cafés, sollte sich letztendlich jeder selbst "sein" Café herausfinden, das im persönlich am meisten zusagt.

Es ist beeindruckend, wenn man sich vorstellt, welche bedeutende, aber auch weniger bedeutende Personen sich in diesen Wiener Kaffeehäusern aufhielten, sich dort trafen und dort verkehrten. Es ist schade, daß es heutzutage nur noch wenige derartige Treffpunkte gibt. Vielleicht sollte man sich doch mal wieder ein wenig von der Medienwelt losreißen oder mal den Fernseher ausschalten und stattdessen mit Bekannten ein Bierchen trinken gehen. Auch schade ist, daß heutzutage alles vermarktet wird. So verlieren viele Dinge ihren Reiz und man hat das Gefühl, es wird versucht, einem irgendein vorgegebenes Clichée, beziehungsweise eine gewollte Atmosphäre aufzudrücken. Diese Tatsache könnte ich mir bei den Wiener Kaffeehäusern durchaus vorstellen. Dies ist nur eine Vermutung, die sich spätetens auf unserer Klassenfahrt als richtig oder falsch erweisen wird. Lassen wir uns überraschen, von dem Wien, über das schon Karl Kraus sagte: "Wien, bleibt Wien - und das ist eine Drohung." (Karl Kraus)

5.3 Berühmte Wiener

Abraham a Santa Clara (1644-1709):

bürgerlicher Name: Ulrich Megerle, ab 1677 Hofprediger von Leopold I., bis zu seinem Tod Kanzelredner in Wien.

Anzengruber, Ludwig (1839-1889): Dramatiker; Werke: Der Pfarrer von Kirchfeld (1870), Meineidbauer (1871), Kreuzlschreiber (1872), G'wissenswurm (1874), Der Schandfleck (1876), Das vierte Gebot (1877), Der Sternsteinhof (1885).

Bachmann, Ingeborg (1926-1973): geboren in Klagenfurt, freie Schriftstellerin in Wien.

Beethoven, Ludwig van (1770-1827): Komponist und Musiker, Schüler von Mozart, Haydn, Schenk, Albrechtsberger und Salieri, ab 1792 in Wien tätig.

Berg, Alban (1885-1935): Komponist und stärkste Begabung der Wiener "Antonalen Schule",Freund und Schüler Schönbergs, Opern: Wojzeck, Lulu.

Berger, Theodor (1905): Komponist, prägnante Erscheinung der musikalischen moderne Wiens, schreibt Filmmusiken, Lieder und Kammermusik

Brahms, Johannes (1833-1897): deutscher Komponist der sich ab 1862 in Wien aufhält, Guten Abend, gut' Nacht.

Bruckner, Anton (1824-1896): Komponist,ab 1867 Wiener Hofkapellmeister und Professor am Konservatorium, ab 1857 Lektorat für Musiktheorie an der Universität.

Busoni, Ferruccio (1866-1924): Pianist und Komponist, lebte und arbeitete von 1894 bis 1914 mit Unterbrechungen in Wien.

Czerny, Carl (1791-1857): Klavierpädagoge und Komponist, Schüler Beethovens, bekannt sind seine Etüden.

Dittersdorf, Karl Ditters von (1908-1942): Komponist, schrieb in Wien 44 Singspiele.

Doderer, Heimito (1896-1966): Erzähler und Schriftsteller.

Donner, Georg Raphael (1693-1741): Bildhauer, geboren in Eßlingen, lebte und wirkte jedoch in Wien.

Fischer von Erlach, Johann Bernhard (1656-1723): barocker Baumeister (Karlskirche).

Gluck, Christoph Willibald (1714-1787): Komponist, wirkte viele Jahre in Wien.

Grillparzer, Franz (1791-1872): Wiener Dichter.

Haydn, Joseph (1732-1809): Komponist, wirkte viele Jahre in Wien.

Hildebrand, Johann Lukas von (1688-1745): Architekt hochbarocker Prachtbauten, ab 1701 kaiserlicher Hofingenieur in Wien.

Hofmannsthal, Hugo von (1874-1929): Dichter und Dramatiker.

Kálmán, Emerich (1882-1953): Operettenkomponist.

Körner, Theodor (1791-1813): Dichter, ab 1812 kaiserlicher Hoftheaterdichter.

Lanner, Joseph (1801-1843): Operettenkomponist.

Millöcker, Karl (1842-1899): Wiener Operettenkomponist, Bettelstudent (1882).

Mozart, Wolfgang Amadeus (1756-1791): gilt als größter Komponist der Klassik.

Nestroy, Johann Nepomuk (1802-1862): Schauspieler und Stückeschreiber.

Raimund, Ferdinand (1790-1836): Wiener Schauspieler und Stückeschreiber.

Reznicek, Emil Nikolaus Freiherr von (1860-1945): Komponist, Oper: Ritter Blaubart und Satuala.

Schnitzler, Arthur (1862-1931): Schriftsteller.

Schönberg, Arnold (1874-1951): Komponist, Bahnbrecher der Zwölftonmusik.

Schönherr, Karl (1867-1943): Dramatiker.

Schubert, Franz (1797-1828): gilt als größter Liedkomponist, Schüler Beethovens.

Strauß, Johann (1825-1899): Walzerkomponist in Wien.

Webern, Anton von (1883-1945): wichtiger Schrittmacher atonaler Musik.

Weinheber, Josef (1892-1945): Dichter.

Wolf, Hugo (1860-1903): Liedkomponist, wirkte hauptsächlich in Wien.

Zeller, Carl (1842-1898): Operettenkomponist, Der Vogelhändler.

Zweig, Stefan (1881-1942): Dichter, Schriftsteller, Amok (1922), Verwirrung der Gefühle (1927).

6. Die UNO - in Wien und der Welt (engl. UNO - United Nations Organisation)

Die Vereinten Nationen sind die 1945 gegründete Nachfolgeorganisation des Völkerbundes, die sich der Sicherung des Friedens und der Förderung der internationalen Zusammenarbeit verschrieben hat.

Erstmals wurde die Bezeichnung United Nations 1942 angewandt, als die alliierten Mächte, daß heißt die gegen die Achsenmächte kämpfende Kriegsallianz sich zusammenschloß. Die Grundlage ihres Bündnisses sollte die Atlantik-Charta sein. Schon gegen Ende des folgenden Jahres bestanden detailliertere Pläne für die Schaffung einer Weltorganisation. Zumindest kamen die Außenminister Chinas, Großbritanniens, der Sowjetunion und der USA hierüber bei einem Treffen in Moskau überein.

Die eigentliche Gründung erfolgte erst 1945 bei einer in San Francisco stattfindenden konstituierenden Sitzung. Man entschied, daß jeder sachliche Beschluß der anderen Staaten der Zustimmung der ständigen Mitglieder des Sicherheitsrates bedürfen sollte. Neben den 51 Gründungsstaaten konnten grundsätzlich alle anderen friedliebenden Staaten aufgenommen werden. Ausnahmen bildeten zunächst nur die Staaten, die im Krieg auf der Seite Deutschlands und Japans gekämpft hatten (sog. "Feindstaaten-Klausel").

Bei der ersten Tagung der UNO, am 10.1.1946, wählte man den norwegischen sozialdemokratischen Politiker Trygve Halvdan Lie zum ersten Generalsekretär.

Während in den ersten Jahren, bis 1954 nur sieben weitere Mitgliedsnationen aufgenommen wurden, erhöhte sich die Mitgliederzahl in den folgenden zehn Jahren auf 117. So hatte man ehemaligen Achsenmächten den Beitritt zur Organisation ebenso gewährt, wie etwa 40 ehemaligen französischen, britischen und italienischen Kolonien. Aus dem "Kriegsbündnis" war ein "Weltforum" geworden, dessen Unterorganisationen sich mehr und mehr mit den Problemen der dritten Welt beschäftigten.

Während die Organisation auf der ganzen Welt großes Ansehen für ihre humanitären Hilfsmaßnahmen bekam, schränkte die oberste in der Charta verankerte Funktion der Friedenserhaltung und andere UN-Beschränkungen stark ein. So gebot doch die Satzung, daß man sich nicht in innerstaatliche Angelegenheiten der Mitgliedstaaten einmischen sollte. Und somit hatte man auch keine Möglichkeiten, die 1973 beigetretenen deutschen Staaten, die Bundesrepublik und die DDR wieder zu vereinen. Hinzu kam, daß die Handlungsfähigkeit der UNO immer wieder durch das Veto, insbesondere der beiden Supermächte UdSSR und USA, blockiert wurde.

Einziger Fall, indem die USA aufgrund der Abwesenheit der Sowjetunion militärisch in einen Konflikt eingreifen konnte war die Intervention in Korea zu Gunsten Südkoreas.

So mußte sich die Organisation häufig im wesentlichen auf Vermittlungsaktionen beschränken. Erfolge hatte man zum Beispiel in Indonesien (1945-49), in Griechenland (1944-50), in Konflikten zwischen den arabischen Staaten und Israel. 1956 sicherte man durch eine internationale Polizeitruppe die Waffenstillstandslinien im Nahen Osten. 1964 konnte man erfolgreich in den Zypernkonflikt eingreifen.

Aber im Gegensatz dazu verhinderte die konträre Interessenlage der Weltmächte ein Eingreifen der Organisation in Vietnam.

Heute zählt die Organisation fast 200 Mitgliedsnationen und die friedensstiftenden, friedenserhaltenden, humanitären und ökologischen Hilfs- und Rettungsaktionen der Blau-helmsoldaten gehören zur Normalität.

Durch die Mitgliedsstaaten finanziert und durch die Vollversammlung verwaltet, werden jährlich Milliarden von Dollar für hungernde und kranke Menschen ausgegeben, werden Flüchtlingslager unterhalten oder Soldaten zur Friedenssicherung eingesetzt. Internationale Zusammenarbeit ist kein Fremdwort mehr. Man unterhält sich in allen Sprachen rund um den Globus, wobei Englisch, Französisch, Spanisch, Russisch und Chinesisch die offiziellen Amtssprachen der Vereinten Nationen sind.

Der Hauptsitz der UNO befindet sich in New York und mit ihm ein gewaltiger Verwaltungsapparat. Auch haben die Mehrzahl der Mitglieder eigens für die UNO diplomatische Vertretungen.

Außenstellen der Organisation und Sitze der Unterorganisationen sind auf der ganzen Welt verstreut zu finden. So befindet sich der europäische Sitz der Vereinten Nationen in Genf.

Mitglieder

An der konstituierenden Versammlung der Vereinten Nationen 1945 in San Francisco nahmen 50 Staaten teil (51 Gründungsmitglieder mit Polen, das nicht teilnahm). Heute zählt die UNO fast 200 Nationen zu ihren Mitgliedern. Jede Aufnahme dieser neuen Mitglieder wurde vom Sicherheitsrat vorgeschlagen und mußte von der Vollversammlung angenommen werden. Die Aufnahme war außerdem mit der Verpflichtung verbunden, daß sich jedes Mitglied der Satzung der Organisation unterstellt und die Ziele gegebenenfalls auch mit der Durchführung von beschlossenen Zwangsmaßnahmen unterstützt.

Ziele

Zu den Zielen der Vereinten Nationen gehört vorrangig die Erhaltung des Friedens und der internationalen Sicherheit, indem kollektiver Beistand gegen Angriffskriege oder Gewaltanwendung geleistet wird und man versucht, Streitigkeiten friedlich zu schlichten.

Priorität hat auch das Ziel, freundschaftliche Zusammenarbeit der Mitglieder auf wirtschaftlicher, sozialer, kultureller und humaner Ebene zu fördern. Außerdem ist der Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten ohne dem Ansehen von Rasse, Geschlecht, Sprache oder Religion ebenso Direktive, wie das Recht auf Selbstbestimmung eines jeden Volkes.

Mitglieder verpflichten sich auch, abgeschlossene Verträge einzuhalten, andere Mitglieder als gleichberechtigte und souveräne Staaten anzuerkennen und Nichtmitgliedsstaaten zu achten.

Die Vereinten Nationen sind eine Organisation der internationalen Völkerverständigung und als solche haben sie sich auch verpflichtet, sich aus innerstaatlichen Angelegenheiten herauszuhalten.

Institutionen der UNO

Sekretariat (engl. Secretary)

Das Sekretariat untersteht dem Generalsekretär, dem höchsten Repräsentanten der UNO. In diesem Organ ist die Verwaltung der UNO untergebracht. Hier werden Friedensmissionen und Hilfsaktionen koordiniert, Finanzmittel verwaltet.

Vollversammlung (engl. General Assembly)

Die UN-Vollversammlung setzt sich aus Vertretern sämtlicher Mitgliedsstaaten zusammen, wobei kein Land mehr als fünf Repräsentanten entsenden darf. Im Prinzip kann sie nur Empfehlungen aussprechen, ist aber für ein weites Spektrum von Angelegenheiten zuständig. Zu den Hauptaufgaben der General Assembly gehören sicherlich die Entscheidungen über die Aufnahme neuer Mitglieder, die Wahlen zu anderen Organen wie dem Sicherheitsrat oder dem Wirtschafts- und Sozialrat und die Festsetzung des Finanzhaushalts der Vereinten Nationen.

Einen wichtigen Teil der Arbeit bilden aber auch die Fachkommissionen für Menschenrechte, Frauenrechte, Warenhandel, Sozialwesen, u.a.

Wichtige Entscheidungen können nur durch zwei Drittel der Anwesenden und Abstimmenden Mitglieder durchgesetzt werden, während für weniger wichtige Entscheidungen die einfache Mehrheit bestimmt.

Die Vollversammlung tagt jährlich einmal für drei bis vier Wochen, kann aber auf Verlangen des Sicherheitsrates oder einer Mehrheit der Mitgliedsstaaten zu Sondersitzungen zusammengerufen werden. Finden sich in einer dringenden Angelegenheit sieben Staaten zusammen, so kann eine Notstandssondersitzung anberaumt werden.

Sicherheitsrat (engl. Security Council)

Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen besteht aus den fünf ständigen Mitliedern, der USA, Rußland, der VR China, Großbritannien und Frankreich, sowie zehn Mitgliedern, die von der Vollversammlung alle zwei Jahre gewählt werden. Ein Mitglied, das für zwei Jahre im Sicherheitsrat vertreten war, kann nicht unmittelbar wieder in den Rat gewählt werden. Ein Vetorecht besitzen nur die ständigen Mitglieder und davon machten (Stand 1989) die UdSSR 116mal, die USA 42mal, Großbritannien 23mal, Frankreich 15mal und China 4mal Gebrauch.

Stellt der Sicherheitsrat eine Bedrohung des Friedens, einen Friedensbruch oder gar eine Angriffshandlung fest, so hat er nicht nur die Befugnis, Empfehlungen zu geben, sondern kann auch direkt eingreifen, und zwar entweder durch die Verhängung von wirtschaftlichen und/oder diplomatischen Sanktionen oder aber durch die Entsendung einer militärischen Eingreiftruppe, die die Mitgliedsstaaten gemäß der Charta bilden müssen. Sie wurden allerdings weitestgehend durch die UN-Friedenstruppen abgelöst.

Wirtschafts- und Sozialrat (engl. Economic and Social Council, ECOSOC)

In dieser Organisation sind 54 Mitgliedsstaaten vertreten, deren Sitze jedes Jahr zu einem Drittel zur Wahl stehen. Ausscheidende Mitglieder dürfen ohne Unterbrechung erneut gewählt werden. Der Rat befaßt sich mit wirtschaftlichen, sozialen, medizinischen und kulturellen Problemen. Auch er arbeitet in besonderen Ausschüssen mit ganz bestimmten Aufgabenbereichen. Regionalausschüsse kümmern sich um europäische oder asiatische Wirtschaftsangelegenheiten (z.B. gibt es die Economic Commission for Europe und die Economic Commission for Asia and the Far East). Auch Nationen, die nicht Mitglied der UNO sind oder nichtstaatliche Organisationen können an der Arbeit der Kommissionen teilnehmen, mit beraten und Beobachter entsenden.

Treuhandschaftsrat (engl. Trusteeship Council)

Der Treuhandschaftsrat der Vereinten Nationen verwaltet solche Gebiete oder Vermögen, deren Besitz noch ungeklärt ist, bis eine Lösung gefunden ist. So war z.B. die Sinai-Halbinsel jahrelang von der UNO verwaltet und deren Protektorat.

Internationaler Gerichtshof (engl. International Court of Justice)

Dieser wurde von den Vereinten Nationen in Den Haag (Niederlande) geschaffen. Ihm gehören 15 Richter an, die von der Generalversammlung und dem Sicherheitsrat auf neun Jahre gewählt werden. Alle drei Jahre wird ein Drittel der Richter neu gewählt.

Entscheidungen fallen nach einer Stimmenmehrheit, jedoch kann jeder Richter seine abweichende Meinung oder besondere Gründe in einem Sondervotum kenntlich machen. Das Gericht wendet Rechts- und Grundsätze des Völkerrechts an, kann aber mit Zustimmung der Streitparteien auch "nach Treu und Glaube" entscheiden.

Alle Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen nehmen mit der Mitgliedschaft das Statut des Internationalen Gerichtshofes an und damit steht ihnen der Zutritt zu diesem auch zu.

Generalsekretäre

Name

Nation

Amts-zeit

Kurze Lebensbeschreibung

Trygve Lie *16.07.1896 †30.12.1968 Norwegen

01.02.1946 -10.04.1953

Politiker, Rechtsanwalt

1935-39 Justizminister; 1939-40 Wirtschaftsminister; 1941-46 Außenminister in Exilregierung; 1952 vorzeitiger Rücktritt als Generalsekretär wegen großem Druck der UdSSR

1963-64 Industrieminister; 1964-65 Handelsminister

Dag Hammarskjöld

*29.07.1905 †17.(18.)09.1961

(Flugzeugabsturz) Schweden

10.04.1953 - 18.091961

Politiker, Diplomat, Schriftsteller

1942 Reichsbankdirektoriumspräsident; ab 1946 im Außenministerium tätig; 1951 Unterstaatssekretär;

1951-53 stellvertretender Außenminister;

1961 Friedensnobelpreis

er war berühmt, "das Gewicht der Vereinten Nationen als friedensbewahrende und friedensstiftende Macht zu erhalten und zu stärken"

U Thant *22.01.1909 †25.11.1974 Burma

03.11.1961 - 31.12.1971

Politiker, Lehrer, Journalist im Unabhängigkeitskampf

1947-1957 Informationsminister; ab 1957 birmanesischer Vertreter bei UNO

"um Vermittlung und Ausgleich der Interessen bemüht"

Kurt Waldheim

*21.12.1918

Österreich

01.01.1972 - 31.12.1981

studierte Jura, Diplomat und Sondergesandter bei den Vereinten Nationen

1968-70 Außenminister; 1970-71 UNO-Botschafter

1986-92 Österreichischer Bundespräsident (während seiner Bundespräsidentschaft wird Waldheim wiederholt eine NS-Wehrmachtsvergangenheit angehängt, bewiesen und er steht unter ständiger Kritik)

Javier Pérez de Cuéllar

*19.01.1920

Peru

01.01.1982 - 31.12.1991

studierte Jura, Diplomat

1969-71 Botschafter zur UdSSR und Polen; ab 1971 ständiger Vertreter bei der UNO; 1975 Untergeneralsekretär und Sonderbeauftragter Waldheims; 1977 Botschafter zu Venezuela; 1979 Stellvertreter für besondere politische Aufgaben Waldheims

Boutros

Boutros-Ghali

*14.11.1922

Ägypten

01.01.1991 - 31.12.1996

Politiker, Professor für Internationales Recht und Politikwissenschaften, Journalist

ab 1977 "Staatsminister für auswärtige Angelegenheiten";

1978-90 Außenminister

Kofi Annan

Ghana

01.01.1997

1993 Untergeneralsekretär der Vereinten Nationen für Friedensmissionen
Der Beitritt zur UNO

Die UNO ist eine mit internationaler Rechtspersönlichkeit ausgestattete, organisierte Staatenverbindung. Nur unabhängige und souveräne Staaten können ihr beitreten. Aufgrund der weltweiten Ausrichtung der UNO steht sie den Staaten, die ihr beitreten möchten, weitgehend offen. Die Charta legt jedoch fest, daß der Beitritt den Staaten vorbehalten ist, die "friedliebend sind, die Verpflichtungen aus der vorliegenden Charta eingehen und nach Meinung der Organisation fähig und dazu bereit sind, sie zu erfüllen". Auf Empfehlung des Sicherheitsrates beschließt die Generalversammlung über die Zulassung neuer Staaten. Ein Staat, der gegen die Charta verstößt kann ausgeschlossen werden; die Mitgliedschaft kann auch zeitweilig aufgehoben werden. (Seit der Gründung der Organisation wurde diese Klausel noch nie angewendet.) Die Charta sieht nicht den freiwilligen Austritt eines Staates vor (allerdings wurde 1971 die Volksrepublik China als einziger rechtmäßiger Vertreter Chinas anerkannt, Taiwan also faktisch ausgeschlossen). Kein Staat ist verpflichtet der UNO anzugehören: So sind die Schweiz, Nordkorea, Südkorea, Nauru, Tonga, San Marino, Monaco und Liechtenstein keine Mitglieder der UNO. Sie genießen jedoch einen Beobachterstatus, durch den sie ohne Abstimmungsrecht an den Arbeiten der Organisation teilnehmen können. Neben der Vollmitgliedschaft gibt es auch die Mitgliedschaft in einzelnen UNO-Sonderorganisationen und Hilfsorganen.

Die Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen

Jahr Gründungsmitglieder

1945 Ägypten, Äthiopien, Argentinien, Australien, Belgien, Bolivien, Chile, China, Costa Rica, Dänemark, Dominikanische Republik, Ecuador, El Salvador, Frank- reich, Griechenland, Großbritannien, Guatemala, Haiti, Honduras, Indien, Irak, Iran, Jugoslawien, Kanada, Kolumbien, Kuba, Libanon, Liberia, Luxemburg, Mexiko, Neuseeland, Nicaragua, Niederlande, Norwegen, Panama, Paraguay, Peru, Philippinen, Polen, Republik Südafrika, Saudi-Arabien, Sowjetunion, Sy- rien, Tschechoslowakei, Türkei, Ukrainische SSR, Uruguay, Venezuela, Verei- nigte Staaten von Amerika, Weißrussische SSR

Später aufgenommen Mitglieder

1946 Afghanistan, Island, Schweden, Thailand

1947 Jemen, Pakistan

1948 Birma

1949 Israel

1950 Indonesien

1955 Albanien, Bulgarien, Sri Lanka, Finnland, Irland, Italien, Jordanien, Kambo dscha, Laos, Libyen, Nepal, Österreich, Portugal, Rumänien, Spanien, Ungarn

1956 Marokko, Sudan, Tunesien, Japan

1957 Ghana, Malaysia

1958 Guinea

1960 Benin, Elfenbeinküste, Gabun, Kamerun, Kongo, Zaire, Madagaskar, Niger, Burkina Faso, Somalia, Togo, Tschad, Zentralafrikanische Republik, Zypern, Mali, Senegal, Nigeria

1961 Sierra Leone, Mauretanien, Mongolische Volksrepublik, Tansania

1962 Ruanda, Burundi, Trinidad und Tobago, Jamaika, Algerien, Uganda

1963 Kuwait, Kenia

1964 Malawi, Malta, Sambia

1965 Gambia, Singapur, Malediven

1966 Guyana, Botswana, Lesotho, Barbados

1967 Jemen (Demokratische Volksrepublik)

1968 Mauritius, Swasiland, Äquatorialguinea

1970 Fidschi

1971 Bhutan, Katar, Bahrain, Oman, Vereinigte Arabische Emirate

Deutsche Demokratische Republik, Bundesrepublik Deutschland, Bahamas

1974 Bangladesch, Grenada, Guinea-Bisseau

1975 Kap Verde, São Tomé und Príncipe, Moçambique, Papua-Neuguinea, Komo ren, Surinam

1976 Seychellen, Angola, Samoa

1977 Dschibuti, Vietnam

1978 Salomonen, Dominica

1979 St. Lucia

1980 Simbabwe, St. Vincent und die Grenadinen

1981 Vanuatu, Belize, Antigua und Barbuda

1983 St. Christopher und Nevis

1984 Brunei

Sonder- und Hilfsorgane

Eine bestimmte Anzahl von zwischenstaatlichen Organisationen, die weltweite Aufgaben erfüllen, sind durch Sonderabkommen mit der UNO verbunden. Sie sind nicht Teil der UNO (manche wurden sogar früher als die UNO gegründet), arbeiten aber mit der UNO und untereinander über den Wirtschafts- und Sozialrat zusammen. Dreizehn von ihnen werden als Sonderorgane oder Sonderorganisationen der UNO bezeichnet, ein Begriff, der auch in der Charta verankert ist. Die Internationale Atomenergieorganisation und das GATT haben einen Sonderstatus und gelten als autonome Organisationen innerhalb des UNO-Systems.

Mitglieder eines Sonderorgans sind alle an seiner Gründung beteiligten Staaten sowie alle Mitgliedsstaaten der UNO, die auf ein einfaches Gesuch hin automatisch zugelassen werden. Jedes Organ besitzt ein Budget, das sich aus den Beiträgen der Staaten gemäß den Bestimmungen der Gründungsurkunde zusammensetzt.

Sonderorgane sind:

IAEA (International Atomic Energy Agency) IAEO (Internationale Atomenergieorganisation
IBRD (International Bank for Reconstruction and Development) = World Bank (Internationale Bank für Wiederaufbau und Entwicklung) = Weltbank
IFC (International Finance Corporation) Internationale Finanzkorporationen
IDA (International Development Association) Internationale Entwicklungsorganisation
FAO (Food and Agricultural Organization of the United Nations) Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen
IFAD (International Fund of Agricultural Development) Internationaler Fond für landwirtschaftliche Entwicklung
IMF (International Monetary Fond) IWF (Internationaler Währungsfond)
GATT (General Agreement on Tariffs and Trade Allgemeines Zoll- und Handelsabkommen
ICAO (International Civil Aviation Organization) Internationale Zivilluftfahrtorganisation
ILO (International Labour Organization) IAO (Internationale Arbeitsorganisation)
IMO (International Maritime Organization) Internationale Seeschiffahrts-Organisation
WMO (World Meteorological Organization) Weltorganisation für Meteorologie
WIPO (World Intellectual Property Organization) Weltorganisation für geistiges Eigentum
WHO (World Health Organization) Weltgesundheitsorganisation
UNIDO (United Nations Industrial Development Organization) Organisation der Vereinten Nationen für industrielle Entwicklung
ITU (International Telecommunication Union) Internationale Fernmeldeunion
UNESCO (United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization) Organisation der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur
UPU (Universal Post Union) Weltpostverein

In Wien befinden sich von den oben angeführten Sonderorganisationen (mit kurzem Abriß der Aufgaben):

  1. IAEA/IAEO:

Gründung: 1957 (die Verbindungen zur UNO wurden durch Sonderabkommen gere gelt).

Mitgliedsstaaten: 113.

Sitz: WIEN

Ziele: Zu Frieden, Gesundheit und Wohlstand in der Welt beizutragen, indem die Ent wicklung der friedlichen Nutzung der Kernenergie gesichert wird; im Rahmen des Möglichen darüber wachen, daß die Anlagen und die Materialien zur friedlichen Nutzung der Kernenergie nicht für militärische Zwecke mißbraucht werden.

  1. UNIDO:

Gründung: 1967; 1986 (als Sonderorganisation)

Mitgliedsstaaten: 151.

Sitz: WIEN

Ziele: Förderung und Vorantreiben der Industrialisierung in den Entwicklungsländern und Koordinierung aller Maßnahmen der Vereinten Nationen im Bereich der industriellen Entwicklung; Hilfe bei der Ausarbeitung einer neuen internationalen Wirtschaftsordnung.

Hilfsorgane

Die Charta erkennt den Hauptorganen der UNO (vor allem der Generalversammlung, dem Sicherheitsrat und dem Wirtschafts- und Sozialrat) die Möglichkeit zu, Hilfsorgane zu bilden, die zur Bewältigung ihrer Aufgaben erforderlich sind. Diese Hilfsorgane sind unterschiedlicher Natur: es handelt sich um Expertenausschüsse, Institute, Universitäten, aber auch um zwischenstaatliche Organisationen. Sie verfügen weder über eine juristische Person noch über ein eigenes Budget; grundsätzlich sind sie integraler Bestandteil der Organisation, die sie bildet. In der Praxis jedoch haben einige von ihnen (besonders UNDP, UNEP und UNCTAD) weitgehende Autonomie erlangt und nehmen sogar neben den von der Organisation gestellten Mitteln eigene Mittel ein.

Die Hilfsorgane im einzelnen:

UNCTAD (United Nations Conference on Trade and Development) Handels- und Entwicklungskonferenz der Vereinten Nationen (Welthandelskonferenz)
WFC (World Food Council) Welternährungsrat
UNFPA (United Nations Fund for Populations Activities) Bevölkerungsfond der Vereinten Nationen
HABITAT (United Nations Centre for Human Settlements) Zentrum der Vereinten Nationen für Wohn- und Siedlungswesen
UNHCR (United Nations High Commissioner for Refugees) Hoher Kommissar der Vereinten Nationen für Flüchtlinge
INSTRAW (International Research and Training Institute for the Advancement of Women Internationales Forschungs- und Ausbildungsinstitut zur Förderung der Frau
WFP World Food Programme Welternährungsprogramm
UNDP (United Nations Development Programme) Entwicklungsprogramm der Vereinten Nation
UNEP (United Nations Environment Programme) Umweltprogramm der Vereinten Nationen
UNDRO (United Nations Desaster Relief Coordinator) Koordinator der Vereinten Nationen für Katastrophenhilfe
UNICEF (United Nations Children´s Fund) Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen
UNITAR (United Nations Institute for Training and Research) Ausbildungs- und Forschungsinstitut der Vereinten Nationen
UNU (United Nations University) Universität der Vereinten Nationen
UNRWA (United Nations Relief and Works Agency for Palestine Refugees in the Near East Hilfswerk der Vereinten Nationen für Palästinaflüchtlinge im Nahen Osten

Davon in Wien:

UNRWA: Gründung: 1949 Sitz: WIEN

Ziele: Hilfe für die arabischen Palästinaflüchtlinge in Jordanien, im Libanon, in Syrien und in den von Israel - bis vor kurzem - besetzten Gebieten (Westjordanland, Gazastreifen) vor allem durch Erziehungs- und Ausbildungsprogramme.

Literaturverzeichnis

Brockhaus Enzyklopädie (1970-74). 20 Bde.- Wiesbaden.

GÖLLER, J. (1995): Anwälte des Friedens. Die UNO und ihre sechs Generalsekretäre.- Bonn

Meyers Memo (1991): Das Wissen der Welt nach Sachgebieten. S. 642 - 652.- Mannheim.

SERILL, M.S. (1996): Tantrums & Champagne. After a face-off between the U.S. and France, U.N. insider Kafi Annan of Ghana gets the top post. In: TIME-Magazine, No. 26, S.28.

VOLGER, H. (1994): Die Vereinten Nationen.- München, Wien.

VOLGER, H. (1995): Geschichte der Vereinten Nationen.- München, Wien.

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