Tiere im Wald

von Karin Scharrer

Im Ökosystem Wald leben viele Tierarten auf engem Raum, ohne sich Konkurrenz zu machen. Jedes Tier ist perfekt an seine ökologische Nische (Beziehung zwischen Lebewesen und Lebensraum) angepaßt. Die verschiedenen Tierarten, Pflanzen und Destruenten sind durch verschiedene Nahrungsketten miteinander verbunden. Weil viele Tiere in mehreren Nahrungsketten vorkommen, bildet sich ein Nahrungskettennetz, in dem jede Tierart ihren Platz hat. Wenn eine Art ausgerottet wird, können die anderen Arten meistens auch so überleben. Aber es schadet dem ökologischem Gleichgewicht. Früher gab es im Schwarzwald Bären, Luchse und Wölfe, die aber durch den Menschen ausgerottet wurden.

Wirbellose Tiere
Der Waldboden wird von Regenwürmern aufgelockert und mit mineralreichen Stoffen angereichert. Er ist besonders für die Humusbildung wichtig. Auch Asseln wandeln Abfälle, in diesem Fall pflanzliche, in Nährstoffe um. Der Tausendfüßler bildet wie die Assel wichtige Nährstoffe für den Wald.

spinne

Andere wichtige Tiere des Waldes sind Insekten, die im Boden, in Bäumen oder in Sträuchern vorkommen. Es gibt unter ihnen Schädlinge und Nützlinge. Durch Monokulturen besteht die Gefahr, daß Schädlinge zur Plage werden. Deshalb werden Baumarten gemischt angepflanzt und Nützlinge gefördert. Ein Schädling ist der Maikäfer, der ab Mai seine Eier am Boden ablegt. Die Larven (Engerlinge) fressen Wurzeln und sind so eine Gefahr für Bäume und andere Pflanzen. Ein andere Schädling ist der Borkenkäfer. Er sucht sich meist ältere Fichten. Die Weibchen legen im "Muttergang” unter der Rinde ihre Eier. Die Larven bilden in der saftreichen Schicht des Baumes Gänge. Am Ende des Ganges verpuppen sie sich und suchen sich als Jungkäfer den kürzesten Weg ins Freie. Borkenkäfer sind oft eine große Plage, da es im Schwarzwald oft hauptsächlich Fichten hat.
Ein weitere Schädling ist die Nonne. Dieser Schmetterling legt seine Eier in die Borke. Die Raupen befallen vor allem Fichten und Kiefern.
Der Schaden von Schädlingen kann durch Nützlinge wie die Waldameise sehr vermindert werden, weil die Ameisen Raupen vertilgen.

ameise

Die Ameise lebt in bis zu 1,5 m hohen Ameisenhaufen, die unterhalb des Bodens fortgeführt werden. Dort leben fünfzigtausend Ameisen und mehr. Der Ameisenhaufen besteht aus Nadeln, Holz- und Erdbrocken und kommt so meist im Nadelwald vor. Die Königin kann bis zu 15 Jahre alt werden. Nach dem Begattungsflug sterben die Männchen und die Königin verliert ihre Flügel. Oft gründet sie an einem anderen Ort eine neue Kolonie.
Vielseitige Waldbewohner sind die Spinnen. Sie leben in allen Schichten des Waldes, sind ihrer Umgebung angepaßt und vertilgen Unmengen von Schädlingen. Manche Arten jagen ihre Beute ohne Netz, sie lauern ihr auf. Die weibliche Spinne pflegt sehr ihre Jungtiere. Dies endet oft mit ihrem Tod.

Wirbeltiere
Tiere, die ziemlich unscheinbar sind, sind die Amphibien, wie z.B. Frösche, Kröten und Lurche. Da diese Feuchtlufttiere, sind können sie nur in feuchten Vegetationen leben. Sie tauchen deshalb oft bei Regen auf. Der ein giftiges Drüsensekret ausstoßende Feuersalamander kommt meist an Bächen und an feuchten Waldstellen vor. Er ernährt sich von Würmern, Schnecken und Insekten. Fortpflanzung ist von Frühjahr bis Sommer. Die Weibchen bringen im Frühjahr darauf bis zu 60 2,5 cm lange Larven zur Welt. Dies ist eine Besonderheit des Feuer- und Alpensalamanders.
Andere Amphibien legen Eier. Im Frühjahr wandern die Erdkröten zu den Gewässern, in denen sie geboren sind, um zu laichen. Auf ihren Wanderungen müssen sie oft Straßen überqueren. Deshalb wurden an solchen Straßen oft Zäune errichtet, an denen sie eingesammelt und über die Straße getragen werden. Oft werden auch Tunnel unter die Straße gelegt, durch die die Kröten gehen können.
Weitere Waldbewohner sind die Vögel. Sie nisten in Bäumen, am Boden oder sogar in Baumstämmen. Sie sind mit ihrem Gesang die Frühlingsboten des Waldes.

vogel

Ein sehr seltener Vogel ist der Auerhahn. Er steht unter Naturschutz. Der Hahn ist ca. 1 m groß, kräftig gebaut, fast schwarz bis auf die weiße Feder (Spiegel genannt). Über seinem Auge hat er eine rote Stelle, die Rose. Das Auerhuhn ist kleiner und unscheinbarer. Ende des Winters oder früh im Frühjahr ist die Balz des Auerhahns.
Er stößt in einer Art Trance schnalzende, knallende Töne aus und tanzt langsam hin und her. Das Auerhuhn ist vom Aussterben bedroht, da sein Lebensraum verändert wurde und durch den Lärm von Maschinen, Skifahrern und Wanderern der sehr gut hörende Vogel verschreckt wurde. Der Waldkauz ist hauptsächlich nachtaktiv, kann sich aber auch am Tag orientieren. Da der Waldkauz kein Nest baut, bezieht er Baumhöhlen, Nistkästen oder Gebäudenischen. Dort findet man auch sein Gewöll (unverdauliche Reste der Beutetiere, wie Knochen und Haare). Begünstigt durch seinen lautlosen Flug und sein feines Gehör jagt er Mäuse, Ratten, Vögel, Insekten und Frösche. Seine Feinde sind Marder und Greifvögel.
Der Buntspecht ist der häufigste Specht unserer Wälder. Er ist anspruchslos und sucht seine Nahrung, die meist aus Insekten und Jungvögeln besteht, unter Baumrinden.

specht

Im Herbst und Winter frißt er Samen, Buchenholz und Haselnüsse. Mit seinen Kletterfüßen (zwei Zehen nach vorne und zwei nach hinten) und seinem Stützschwanz ist er an seinen Lebensraum Baum angepaßt. Eine weitere Spechtart ist der Schwarzspecht. Er ist größer und kräftiger als der Buntspecht. Er schafft durch seinen Arbeitseifer für Waldkauz, Marder, Fledermaus, Eichhörnchen und Siebenschläfer Wohnhöhlen.
Durch seine dünne, lange Zunge kann er auch Insekten aus tiefen Gängen hervorholen. Der Kuckuck hat seinen Namen durch die Laute, die er ausstößt erhalten. Das Weibchen schiebt ihre Eier anderen Vögeln unter. Das Junge stößt die Eier des Wirtsvogels aus dem Nest und wird als "Einzelkind” durchgefüttert.
Andere Vogelarten sind Waldschnepfe, Habicht, Eichelhäher und Wintergoldhähnchen. Die Säugetiere des Waldes sind die Tiere, an die man als erstes beim Thema "Tiere im Wald” denkt. In unseren Wäldern gibt es infolge der Ausrottung keine großen Raubtiere, wie Bären, Luchse und Wölfe. Die bekanntesten Säugetiere sind Fuchs, Dachs, Reh, Hirsch und Wildschwein. Jede Art hat ihre eigene Verhaltensweise.

Weitere Säugetiere des Waldes sind Wildkatze, Maulwurf, Edelmarder, Igel, Steinmarder, Iltis, Hermelin, Wiesel, Hase und Waldspitzmaus.
Der anpassungsfähige Fuchs ist in zahlreichen Arten und Unterarten in fast allen Wäldern der Welt, sogar im Hochgebirge und in der Halbwüste, vertreten. Er ist hauptsächlich nachts und in der Dämmerung aktiv. Er bewohnt Erdbauten, die er selbst gräbt oder die er von Dachsen oder Kaninchen übernimmt. Manchmal schläft er auch im Freien. Er jagt Kleintiere wie Mäuse, Eidechsen und Haushühner. Der Fuchs ist das einzige größere Raubtier in unseren Wäldern. Füchse sind anfällig für Tollwut. Befallene Tiere verlieren oft ihre Scheu vor Menschen und anderen Tieren. Im Wald sollte man deshalb immer auf Füchse achten, die sich auffällig verhalten, da ohne Schutzimpfung Tollwut beim Menschen fast immer zum Tod führt.
Eines der anpassungsfähigsten Tiere ist das Eichhörnchen. Es lebt hauptsächlich vom und am Baum. Es ernährt sich von Knospen, Blüten, Nüssen und Samen der Bäume aber auch von Pilzen, Schnecken, Insekten, Armeisenpuppen, Vogeleiern und Vogeljungen. Es baut meist mehrere Kugelnester aus Zweigen, Blättern und Moos, um so immer eine Ausweichmöglichkeit oder ein Spielnest zu haben. In diesen Nestern sind sie gut vor Feinden, wie Mardern und Habichten ge schützt und ihre ca. fünf bei Geburt noch nackten und blinden Jungen werden dort geboren und aufgezogen. Manchmal übernimmt es auch Vogelnester. Im Sommer vergräbt es Nüsse als Wintervorrat. Da es oft nicht alle verbraucht oder sie vergißt, trägt es so zur Erweiterung des Waldes bei. Das Eichhörnchen siedelt wegen des lebensnotwendigem Trinkwassers meist in der Nähe von Bächen oder anderen Wasserstellen. Wenn diese Quellen im Winter gefroren stillt es seinen Durst mit Schnee. Das Eichhörnchen krallt sich mit den Vorder- oder Hinterbeinen an den Stamm und hält mit seinem langen, buschigen Schwanz die Balance. Es kann bis zu 10 Jahre alt werden.
Auch der Igel ist perfekt an seine Umwelt angepaßt. Bei Gefahr rollt er sich zu einer stacheligen Kugel zusammen und schützt sich so vor Feinden wie Hunden, Dachsen, Mardern und Katzen. Eine große Gefahr ist aber der Straßenverkehr. Er ist nachts und in der Dämmerung aktiv und jagt kleine Wirbeltiere wie Mäuse und Jungvögel, mag aber auch Fallobst und ist ein wichtiger Schädlingsvertilger. Der Igel streift, nachdem er den Geruch fremder Gegenstände an den zwischen Mund- und Nasenhöhle sitzenden jakobsonschen Organ geprüft hat, seinen zähen Speichel an seinen Flankenstacheln ab, um so wieder neue Gerüche aufnehmen zu können. Eines der größten und wehrhaftesten Waldtiere ist das Rotwild. Das Geweih des Hirsches nimmt von Jahr zu Jahr an Größe, Gewicht und Anzahl der Enden zu. Während der Wachstumszeit ist es mit der kräftig durchbluteten Haut, dem Bast überzogen. Nach Beendigung des Wachstums "fegt” er es an Bäumen ab. Wenn es zuviel Wild gibt, kann es dadurch Schäden am Wald geben. Das Geweih wird zum Winterende abgeworfen. Das Rotwild ist tagaktiv, wird aber bei Störung dämmerungs- und nachtaktiv.

Eine weitere Wildart ist der Damhirsch. Dieser hat anders als der Rothirsch weiße Flecken auf seinem Fell und "Schaufeln” anstatt einem Geweih.

Hirsch

Das Reh ist hauptsächlich in den Morgen- und Abendstunden aktiv. Es ist eines der bekanntesten Tiere des Waldes und ernährt sich von Zweigen, Blättern, Knospen, Gräsern, Pilzen und Obst. Früher war es ein reines Waldtier, aber durch die Veränderung seines Lebensraumes paßte es sich an Waldränder und Wiesen an. Es verlegte seine Freßzeiten von Tages- auf Nachtzeiten, an denen es nicht von Menschen gestört wird. Die Rehe paaren sich im Juli und August. Das befruchtete Ei ruht aber bis zum Frühjahr, da es in den Wintermonaten kaum Nahrung gibt. Die Rehkitze werden so erst im Frühjahr geboren. Die Kitze sind bekannt als "Bambi”.

Reh

Ein weiteres berühmtes Waldtier ist das Wildschwein. Es wurde nach dem Zweiten Weltkrieg bis auf etwa 100 Stück ausgerottet. Aus diesem Grund wurde ein Jagdverbot erstellt. Wildschweine sind sehr trittsicher, können gut schwimmen, sind gute Langstreckenläufer und können sehr schnell galoppieren. Wildschweine können, wenn sie sich zu einer Rotte zusammengeschlossen haben oder Frischlinge haben für den Menschen sehr gefährlich werden. Sie sind, wenn sie ungestört sind, hauptsächlich morgens, spätnachmittags und abends tätig. Bei Störung, wie z. B. Jagd sind sie nachtaktiv.
Der gestreifte Dachs ist ein sehr reinliches Tier. Er setzt Kot und Urin außerhalb seines Baus in eine speziell dafür angelegte Grube. Seinen Erdbau gräbt er selbst, oder er übernimmt alte Fuchsbauten. Der Bau hat ein verzweigtes Gängesystem, dessen Mittelpunkt der gepolsterte Wohnkessel ist. Der Dachs lebt paarweise in Lebensehen mit seinem Wurf, der anfangs blind ist (Geburt: Februar/März) und im Herbst selbständig wird. Der Dachs hat einen viel besseren Geruchssinn als Hör- oder Sehsinn. So läßt er sich bei der Suche nach Schnecken, Würmern, Eiern, Nestlingen, Obst, Pilzen und ähnlichem (er ist Allesfresser) hauptsächlich durch seinen Geruchssinn leiten.
Der Baummarder ist bei uns sehr selten. Er bewohnt Baumhöhlen oder Nester von Greifvögeln oder Eichhörnchen. Er ernährt sich von kleinen Säugetieren wie Hasen und Eichhörnchen, aber auch von Eiern, Beeren und Obst. Er ist hauptsächlich in der Dämmerung und nachts tätig und ist ein Einzelgänger. Der Baummarder kämpft manchmal mit Katzen, die ihm meist unterliegen. Da er gut klettern und springen kann, lebt er hauptsächlich auf Bäumen. Eine andere, bei uns häufigere Marderart ist der Steinmarder. Er springt und klettert gut, lebt aber nicht wie der Baummarder in den Bäumen sondern eher im deckungsreichen Gelände.
Ein trauriges Schicksal hat der bei uns nicht mehr heimische Wolf. Wölfe waren 260 Jahre noch eine Landplage, wurden aber, weil sie Pferde, Rinder und andere Nutztiere rissen, bei uns ausgerottet. Sie sind nur noch östlich von Polen, auf dem Balkan, vereinzelt in Westspanien, in Mittelitalien und Nordskandinavien zu finden. Sie jagen im Sommer kleinere Tiere kleinen Familienrudeln. Im Winter schließen sie sich zu großen Rudeln zusammen und jagen größere Tiere. Bekannt ist der Wolf durch sein langgezogenes Heulen in Winternächten und dem Gerücht, er reiße Menschen. Dies ist wissenschaftlich aber nicht bewiesen.

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