Der Volkssturm

von Christoph Ohlrogge

Im Herbst 1944 erfolgte der "Erlaß zur Bildung des Volkssturms". Dieser besagte, dass alle nicht wehrpflichtigen aber dennoch waffenfähigen Männer zwischen 16 und 60 Jahren, die nicht in kriegswichtigen Betrieben arbeiten, eine militärische Grundausbildung erhalten und dann die Stadt im Ernstfall verteidigen sollten. Die NSDAP wurde mit der Aufstellung von 1 Bataillon und 4 Kompanien pro Kreis beauftragt. Diese wurden zunächst aus dem sogenannten "ersten Aufgebot" gebildet, das waren die Jahrgänge 1884-1928. Das "zweite Aufgebot" waren dann die in Rüstungsbetrieben beschäftigten Personen, die sich als Reservisten bereithalten mussten. Das erste Karlsruher Bataillon wurde auf dem "Platz der SA" (Festplatz) am 12. November 1944 vereidigt.
Hauptsächlich wurden die Volkssturmeinheiten als Territorialmiliz zur Unterstützung der Wehrmacht eingesetzt. An den Wochenenden waren Waffenübungen angesagt, meistens wurde nur der Umgang mit der Panzerfaust trainiert, mit denen im Ernstfall Panzer auf kurze Entfernung geknackt werden sollten. Die Bewaffnung der Einheiten sollte eigentlich durch das Heer und die verschiedenen Kreisleiter erfolgen. Die Wehrmacht selbst hatte natürlich besseres zu tun, als auch noch Waffen an eine fast nicht ausgebildete Truppe abzugeben, so dass der Volkssturm hauptsächlich mit alten italienischen Gewehren, Baujahr 1884, ausgerüstet waren. Uniformen und sonstige Ausrüstung bekamen die VS-Soldaten durch die Aktion "Volksopfer". So kam es, dass die Bewaffnung völlig unzulänglich war, und durch die verschiedenen Uniformen die ganze Truppe sehr bunt aussah. Einzige Gemeinsamkeit war die Volkssturm-Armbinde. Gruppen- und Zugführer wurden Nationalsozialisten, die ihr Führungstalent vorher in zivilen Posten bewiesen hatten.
Laut Festlegung des Gauleiters Wagner sollte jedes Volkssturmbataillon mit 24 Fahrrädern, 18 Zweispännern, 36 Zug- und 3 Reitpferden, 10 Handkarren und einem LKW ausgestattet sein. Diese Festlegung existierte leider nur auf dem Papier, und in Wahrheit war jedes Bataillon weitaus schlechter ausgerüstet. In manchen Einheiten hatte nur jeder Soldat eine Schusswaffe, da die von Hitler befohlene Produktion von "Volksgewehren" viel zu spät anlief. Die Alliierten ihrerseits bewitzelten öffentlich den Volkssturm als "neue Vergeltungswaffe des deutschen Reiches". Dies demoralisierte natürlich die Soldaten gewaltig. Auch wurden Flugblätter über den Städten abgeworfen, die berichteten, wie wenig Chancen Volkssturmeinheiten im Gefecht hatten. Und auch der Karlsruher Volkssturm hatte laut dem Kampfkommandanten der Stadt, Generalmajor Hossfeld, einen "Kampfwert gleich Null".