DACHAU

Einführung

von MAIKE NAGEL

Wir alle klagen des öfteren über Schmerzen oder Ungerechtigkeit, doch im Grunde kann keiner von uns ermessen, was es tatsächlich heißt, immer schlimmer werdende, wirklich körperliche Schmerzen zu ertragen oder auf grausame, ungerechte Weise be bzw. mißhandelt zu werden. Ganz anders jedoch die ehemaligen Insassen eines KZ, die diese brutalen Zeiten überlebten.

Schon bei ihrer Einlieferung mußten sie die schlimmsten Folterungen und Mißhandlungen über sich ergehen lassen, die man sich überhaupt nur vorstellen kann. Viele wurden gezwungen, sich ihrer Hosen zu entledigen und sich über eine Mörteltrage beugen, um sich von mehreren Aufsehern verprügeln zu lassen, die damit all ihre Aggressionen und all ihren Haß gegenüber Juden in der Härte ihrer Schläge zum Ausdruck brachten.

Wer "Glück" hatte, kam mit blutunterlaufenen Striemen, tiefen Einrissen und wahnsinnigen Schmerzen davon, doch oftmals wurden die Insassen bis zur Bewußtlosigkeit geschlagen, und ihr Gesäß bestand nur noch aus einer blutigen Masse, aus der die Knochen hervortraten.

Und selbst dann nahm das Leiden kein Ende. Öffentliche Auspeitschungen standen quasi auf der Tagesordnung. Diejenigen, die solche Mißhandlungen überlebten, wurden mit blutüberströmtem Körper in Einzel bzw. Arrestzellen gebracht. Aus diesen kamen aber nur die wenigsten lebend wieder heraus. Denn diese Zellen waren dunkel, kalt und so klein, daß man höchstens vier Schritte gehen konnte, ohne mit den kahlen, zum Teil sogar nassen Wänden in Berührung zu kommen. Um dennoch einen Fluchtversuch zu verhindern, wurde den Häftlingen zur Sicherheit eine Eisenkette am Fuß befestigt, die 1,50 m lang und 25 Pfund schwer war. Sie machte es den Gefangenen unmöglich, sich einmal auszuruhen oder in der Nacht zu schlafen.

Eine weitere Belastung für die KZInsassen war nicht nur die unerträgliche Kälte in den kleinen Räumen, sondern die Anordnung, daß sie sich in ihren Zellen absolut still verhalten mußten und kein Kettengerassel zu hören sein durfte.

Die Finsternis, in der die Häftlinge zum Teil monatelang gefangengehalten wurden, bedeutete nicht nur Einsamkeit, sondern hauptsächlich ein Leben voller Angst und Schrecken. Die meisten Juden, die nach sehr langer und qualvoller Zeit zum ersten Mal wieder das Tageslicht erblickten, erblindeten oder brauchten eine ganze Weile, bis sie ihre Augen wieder gebrauchen konnten.

(<- Abb. Buchenwald) Doch auch wenn sie vom täglichen Leiden in den Dunkelkammern erlöst wurden, nahmen die grausamen Mißhandlungen und die menschenunwürdigen Ungerechtigkeiten noch immer kein Ende.

Während die einen zu schwerster körperlicher Arbeit gezwungen wurden, mußten andere brutalste Schläge über sich ergehen lassen, so daß sie sich danach kaum mehr auf den Beinen halten konnten. Unter Aufsicht einiger SSMänner wurden sie nach dieser Folter gezwungen, bis zur völligen Erschöpfung zu rennen. Wer stehenblieb oder hinfiel, wurde wieder geprügelt oftmals bis in den Tod.

Kein Jude oder anderer KZInsasse konnte sich vor den brutalen Mitteln der SS schützen. Oft wurden aus größeren Arbeitsgruppen einzelne Personen herausgenommen, denen man z.B. erlaubte, die eigene Post abzuholen. Doch was auch immer man den Häftlingen an scheinbaren Vergünstigungen zugestand, es war doch nur ein Vorwand, um sie unmittelbar danach hinterrücks zu erschießen.

Wie oft wurde einem Gefangenen der Befehl erteilt, sich von der Gruppe zu entfernen, um etwas zu holen. Den Rückweg hat dieser gar nicht mehr antreten können, denn er wurde vorher kaltblütig erschossen ! Diese Morde begründete die SS immer mit "Fluchtversuchen".

Bei Gefangenen, die in ihrer Zelle auf grausamste Weiste umgebracht wurden, hieß es von Seiten der SS, diese hätten Selbstmord begangen, und man scheute nicht davor zurück, dem Opfer noch zusätzliche Verletzungen zuzufügen, damit es auch glaubhaft nach einem selbstverschuldeten Tod aussah.

Die SSLeute ließen sich immer wieder noch schlimmere und grausamere Methoden einfallen, um ihre Gefangenen zu quälen bzw. aus dem Weg zu schaffen.

Um die Spuren dieser Verbrechen zu beseitigen, wurden die Leichen manchmal in eine Holzbaracke gebracht, um diese dann anschließend zu verbrennen. Das sollte den Anschein erwecken, die Häftlinge seien im Feuer umgekommen. Doch alle anderen Mitinsassen wußten, daß es kein Unfall war, sondern das krankhafte und unfaßbare Handeln der Nationalsozialisten zur Zeit Hitlers.

Die Aufgaben des Lagers Dachau

von PETER SCHMUTZER

(<- Abb. Dachau) Das Lager Dachau wurde am 22. März 1933 als erstes "offizielles" Lager der SS seinem Dienst/Aufgabe übergeben.

Ursprünglich war das Lager für die Zusammenlegung aller bayrischer Gefangenen gedacht, zur Entlastung der Gefängnisse, die durch das Schutzhaftgesetz restlos überlaufen waren.

Die ersten Gefangenen waren Oppositionelle, wie Mitgliedern der KPD, später auch der SPD. Auch Gewerkschaftler und andere engagierte Antifaschisten wurden in Dachau gepeinigt und zu Arbeitseinsätzen gezwungen.

Einer der wichtigsten Zweige des Lagers war die Arbeit in der nahegelegenen Rüstungsfabrik. Hier wurden die Gefangenen, wie in vielen anderen KL auch, gezwungen, Rüstungsgüter, Waffen und Munition herzustellen, die durch den Krieg immer mehr benötigt wurden und mit "normalen" Arbeitskräften, die man auch noch hätte bezahlen müssen, überhaupt nicht hätten hergestellt werden können.

Eine weitere Aufgabe des Lagers war die Schulung späterer KZVorsteher. Hier wurden die SSLeute gedrillt, rücksichtslos und brutal mit den Gefangenen umzugehen, und auf ihre zukünftigen Aufgaben vorbereitet. Daher kann man das Vorzeigelager der SS auch als "Schule der KZVorsteher" bezeichnen.

Wie in allen anderen KZs war auch hier die Peinigung der Inhaftierten an der Tagesordnung, man kann fast sagen: Pflicht oder Aufgabe der Bewacher. Durch Zusammenpferchen auf engstem Raum, Prügelstrafen, Peinigung, wo es nur ging, und Sklaverei wurde den Gefangenen den ganzen Tag lang klargemacht, daß sie eigentlich nichts anderes als Tiere waren, lebensunwürdige Personen.

Die Behauptung, Dachau sei kein Vernichtungslager gewesen, mag zwar im Ansatz richtig sein, aber ich glaube, daß man es doch als Aufgabe des Lagers bezeichnen kann, spätestens gegen Ende des Krieges, die von Hitler angekündigte "Endlösung" zu verwirklichen und zu unterstützen. Dies belegen auch die vielen beurkundeten Todesfälle sowie die Erschießung russischer Kriegsgefangener. Auch die Dunkelziffer der Todesfälle, die nach unseren Schätzungen mindestens dreimal so groß ist wie die beurkundeten Tode, sind nicht zu vergessende Beweise dafür, daß eine Aufgabe des Lagers Dachau die Vernichtung "lebensunwürdiger" Personen war.

Die Dachauer Häftlinge

von MARK BECKER

(<- Abb. Dachau) Es gab kaum eine Nation, die mit dem deutschen Welteroberungsfeldzug in Berührung gekommen und nicht in Dachau vertreten war. Aus der Sowjetunion und aus Polen kamen jedoch die meisten Häftlinge. In der Mengentabelle folgen darauf Deutsche, Tschechen, Ungarn, Franzosen und Italiener. Sogar aus den USA waren Häftlinge in Dachau.

Die Insassen stammten aus allen Schichten. Es gab Kommunisten, Gewerkschafter, Christen, Antifaschisten, Sozialdemokraten und sogar bürgerliche Politiker, die ein antifaschistisches Meinungsbild hatten. Am meisten gab es natürlich Juden.

Sogar die Landtagsabgeordneten der KPD, Sepp Götz, Fritz Dressel und Leonard Hausmann sowie der KPDReichstagsabgeordnete Franz Stenzer und der KPDVorsitzende Hans Beimler dieser konnte allerdings mit Hilfe anderer Antifaschisten aus Dachau entkommen waren im KZ Dachau gefangen.

Bevorzugt wurden kommunistische und jüdische Bürger eingesperrt, ebenso Leute der antifaschistischen Bewegung.

Es gab eigentlich keine Möglichkeit, den Qualen und dem Leiden in Dachau zu entrinnen. Es gab sehr wenige, die eine Flucht aus dem KZ überlebten. Einer derer, die diese Tat vollbracht haben, war Hans Beimler.

1945 wurden 31 432 Häftlinge von USArmeetruppen aus dem Hauptlager und 36 246 Häftlinge aus Außenkommandos befreit.

Über 200 000 Häftlinge waren in Dachau registriert, beinahe 32 000 Todesfälle sind beurkundet. Hier fehlen aber die ungeheuren Dunkelziffern, die in die Buchführung der Mörder nicht eingegangen sind.

Hans Beimler

von RODNEY LINTOTT

Beimler kommt am 2. Juli 1895 in München zur Welt, doch seine Jugend verbringt er auf dem Land in Waldthum bei Tirschenreuth in der Oberpfalz. Nach dem Besuch der Volkshochschule erlernt Beimler das Schlosserhandwerk. Er kehrt der Oberpfalz den Rücken zu und wendet sich München zu.

Schon früh sucht er die Organisation der Werktätigen und tritt aus diesem Grunde im Jahre 1913 dem Deutschen Metallarbeiterverband bei. Aber auch München hält den jungen Schlosser nicht.

Beimler ist gerade erst 19 Jahre alt geworden, als am 1.August 1914 der 1. Weltkrieg ausbricht. Der Bayer wird zur Marine eingezogen. Als sich dann die Matrosen am 3.November 1918 gegen das Kaiserreich erheben, steht Beimler in ihren vordersten Reihen. Im gleichen Jahr tritt er in die KPD ein.

Offen erklärt er der Weimarer Republik den Kampf und nimmt dafür auch ein Strafurteil in Kauf, das ihn für zwei Jahre Festungshaft in die bayrische Strafanstalt Niederschönfeld bei Rain am Lech in Schwaben bringt. Im Jahre 1923 öffnet sich für Beimler wieder das Tor zur Freiheit. Nun erst beginnt seine eigentliche politische Karriere, die ihn in die höchsten Ämter der KPD führen wird.

Die Parteispitze wird auf den entschlossenen Kämpfer aufmerksam und beruft ihn im Juni 1925 als Verantwortlichen für die Betriebsarbeit der KPD in die Bezirksleitung Südbayern. Im Jahre 1928 entsendet ihn die KPD nach Schwaben, wo er als Sekretär den Unterbezirk Augsburg leitet.

In der Fuggerstadt wird er am 8.Dezember 1929 in den Augsburger Stadtrat gewählt. Mit seinen Erfolgen wächst auch seine Popularität in Bayern. Im Frühjahr1932 holt ihn seine Partei als Politischen Leiter des Bezirks Südbayern aus Augsburg zurück nach München. Dort erreicht er dann den Höhepunkt seiner parlamentarischen Laufbahn. Aber Beimler, der am 18.August auf das Mandat im Bayrischem Landtag verzichtet, bleibt für seine politische Arbeit nicht mehr viel Zeit. Seit dem verhängnisvollen 30. Januar 1933, an dem der greise Reichspräsident Paul von Beneckendorf und von Hindenburg den Führer der NSDAP, Adolf Hitler, zum Reichskanzler berufen hat, ist die Demokratie in Deutschland tot. Auch Beimler droht in München Gefahr. Dort hat die Verfolgung der Kommunisten mit allen Konsequenzen eingesetzt. Die führenden Funktionäre werden vom Parteivorstand der KPD angewiesen, unverzüglich ihre Wohnungen zu verlassen und sich an geheimen Orten zu verstecken. Auch Beimler entschließt sich, in München unterzutauchen. Er zieht sich mit seiner zweiten Frau Centa in ein Gartenhaus nach Großhadern zurück. Beimler ist jedoch fest entschlossen, sich dem Regime nicht zu beugen. Trotz aller Vorsicht gelingt es Beimler aber nicht, sich seiner Verhaftung zu entziehen. Am 1. April 1933 fällt er vermutlich durch Verrat in die Hände der Nazis. Die Freude über den Fang ihres prominenten Gegners versetzt die Nazis in einen wahren Siegesrausch. Wie ein Lauffeuer verbreitet sich die Nachricht. Beimler erkennt, daß er von diese tobenden Masse keine Gnade zu erwarten hat. In einem Raum ohne Fenster, der nur mit einem Bürotisch und mit einer Militärbettstelle eingerichtet ist, fallen sie dann über Beimler her. Sechzig bis siebzigmal schlagen sie auf ihr wehrloses Opfer ein, bis der Mißhandelte bewußtlos zusammensinkt.

Zum erstenmal erfährt der Gequälte hier, wieviel Bosheit sich in diesem Regime hinter der Maske des Biedermannes verbergen kann. Am Vormittag des 25. April wird er in das KZ nach Dachau gebracht. Zum Empfang des Transports hat sich eine große Zahl von SSLeuten versammelt; unter ihnen der Lagerkommandant SSSturmhauptführer Hilmar Wäckerle. "Herzlich Willkommen!" Mit diesem Schild um den Hals tritt Beimler seinen Leidensweg durch das Lager an. Für die meisten Häftlinge ist er kein Fremder. Als Mitglieder der KPD kennen sie den Funktionär gut. Michael Höllerzeder kann sein Entsetzen nicht verbergen, als er den Parteifreund erblickt. Beimler merkt ihm an, daß er Schlimmes für ihn befürchtet. Und tatsächlich, er wird ohne Grund in Arrest gesteckt und dort aufs schwerste mißhandelt. Als er merkt, daß seine Lage immer lebensbedrohlicher wird, entschließt er sich zur Flucht.

In der Nacht zum 9. Mai ist es dann so weit: Beimler verläßt den Arrestbau durch das Oberlicht seiner Zelle, nachdem er die Hindernisse überwunden hat, fühlt er zum ersten mal wieder ein Glücksgefühl. Unterwegs stößt er auf das einsame Fuhrwerk eines Bauern, dem er folgt. Unerkannt schafft er es, am Ende des Fahrzeugs Platz zu nehmen. So gelangt er bis zum Morgengrauen nach Moosach.

Die Nachricht von Beimlers Flucht versetzte die Nazis in Panik. Man stellte das ganze Lager auf den Kopf, erst durch das Einsetzen von Suchhunden wird der Fluchtweg entdeckt. Inzwischen ist Beimler längst in Sicherheit. In München FasanerieNord sucht er zunächst bei Parteifreunden Zuflucht. Dann taucht Beimler im Hause des Polizisten Friedrich Mäusle unter, das ihm den größtmöglichen Schutz bietet. Zwischenzeitlich wird er steckbrieflich gesucht, und es ist ein Kopfgeld auf ihn ausgesetzt.

Es gehen zwar Hinweise bei der Polizei ein, die sich jedoch als falsch erweisen. Erst nach 6 Wochen verläßt Beimler im Juni 1933 auf Anraten der Partei die Stadt und setzt sich bis zum September nach Berlin ab. Von dort flieht er in die CSFR und von da aus in die Sowjetunion. Damit er neue Kräfte sammeln kann, schickt ihn die Partei in ein Sanatorium auf der Krim. Später begibt er sich nach Zürich und schließlich nach Paris. Sobald Beimler im Ausland vor seinen Verfolgern in Sicherheit ist, meldet er sich wieder zu Wort. Nachdem er alles bekannt gemacht und sogar ein Buch darüber veröffentlicht hatte, ging ein Aufschrei der Empörung über diese Menschenrechtsverletzungen über die Welt. Das Buch bedeutete für die Nazis eine schwere Niederlage in ihrem internationalen Ansehen.

Es ging Beimler nicht darum, als Held dazustehen, sondern darum, die Öffentlichkeit aufzuklären.

Kennzeichen der KZ Häftlinge

von JAN HOLLMANN

(Zeichnung von Jan Hollmann) Das Grundkennzeichen auf einem Anzug eines KZ Häftlings war ein farbiges Dreieck, Spitze nach unten. Die Grundfarben für die einzelnen Sparten waren für: Politische Gefangene rot, Berufsverbrecher grün, Emigranten hellblau, Bibelforscher lila, Homosexuelle rosa und für Asoziale schwarz. War ein Häftling rückfällig, so hatte er über seinem Dreieck einen waagrechten Balken in der gleichen Farbe des Dreiecks. Ein Häftling der Strafkompanie hatte direkt unter der Spitze seines Dreiecks einen schwarzen Punkt. Den Juden wurde unter ihr Dreieck ein gelbes Dreieck mit der Spitze nach oben genäht, so daß sich ein sechseckiger Stern ergab.

Für fluchtverdächtige Häftlinge brachte man einen roten Punkt unter dem Dreieck an. Polen und Tschechen hatten in ihrem roten Dreieck den Anfangsbuchstaben ihres Landes zu tragen. Ein Wehrmachtangehöriger mußte ein rotes Dreieck, Spitze nach oben tragen. Ein jüdischer "Rasseschänder" trug ein gelbes Dreieck, Spitze nach oben, und auf diesem ein unausgefülltes schwarzes Dreieck. Eine "Rasseschänderin" hatte über einem schwarzen Dreieck, Spitze nach oben, ein gelbes, ausgefülltes Dreieck, Spitze nach unten, zu tragen. Außerdem gab es noch Häftlinge 1a, die nur einen schwarzen Zylinder mit weißer Oberfläche tragen mußten.

Für jeden Häftling gab es außer diesen Zeichen noch eine eigene Häftlingsnummer, die über allen anderen Zeichen auf den Sträflingsanzügen stehen mußte. Dies alles war nötig, damit die KZWächter wußten, welche "Sorte" von Häftlingen sie vor sich hatten.

Der Tagesablauf und die Behandlung der Menschen in Dachau

von FLORIAN MICHALCZYK und RUTH WÄLDIN

Die Häftlinge hatten ein sehr schweres und qualvolles Leben im KZ Dachau Bei dem geringsten Vergehen oder Widerwillen bekamen sie eine Prügelstrafe oder wurden für längere Zeit in Arrest gesetzt. Sie trugen alle die sogenannte Sträflingskleidung, damit man sie gleich erkannte, und ihre Haare waren auch abgeschoren.

So hatten sie keine Möglichkeit, aus dem Lager zu entfliehen, denn selbst wenn sie es schafften, wurden sie von allen sofort erkannt. Die Leute, die außerhalb des KZs wohnten, sollten denken, den Leuten gehe es gut und es sei ein Gefängnis wie jedes andere auch. Um dies glaubwürdig zu machen, mußten die Sträflinge zum Singappell antreten. Wenn sich einer weigerte zu singen, wurde er so lange verprügelt, bis er es doch tat. Auch die Hinrichtungen mußten mit Musik begleitet werden.

Der Tagesablauf war im Sommer länger als im Winter: Um 4.00 Uhr wurden die Häftlinge geweckt. Anschließend mußten sie ihr Bett und ihren Spind aufräumen und zum Hauptgebäude gehen, wo sie ihr Frühstück erhielten. Dieses bestand aus ca. 350g Brot und einem halben Liter Kaffee.

Um 5.15 Uhr mußten die Häftlinge zum Zählappell antreten, währen dessen sie strammstehen mußten. Dies war im Winter oft mit Verkühlungen verbunden.

Um 6.00 Uhr war dann Arbeitsbeginn. Wenn ein Vorgesetzter schlechte Laune hatte, mußten sie so lange stehen, bis sie umfielen. Sie wurden dann solange gequält, bis sie wieder aufstanden oder einen Tod aus Erschöpfung erlitten. Die Arbeit bestand aus Arbeitseinsätzen in Steinbrüchen, auf Feldern, in der Rüstungsindustrie und in der Flugzeugfertigung. Später wurden Juden auch zur Entwicklung neuer Geräte und Erfindungen gezwungen. Das bedeutet, daß sie praktisch gegen ihre eigenen Interessen arbeiten mußten, indem sie zur Verlängerung des Dritten Reiches beitrugen.

Von 12.00 bis 13.00 Uhr wurde eine Mittagspause eingelegt, dabei war die Wegzeit zum Essensausgabepunkt mit eingerechnet. Als Mittagessen gab es einmal in der Woche Nudelsuppe; die restlichen Tage mußten sich die Gefangenen von Rüben oder Weißkohlsuppe ernähren.

Von 13.00 bis 18.30 Uhr mußte dann wieder gearbeitet werden.

(<- Abb. Dachau) Von 19.00 bis 20.00 Uhr mußten die Häftlinge dann wieder zum Zählappell antreten. Die Häftlinge mußten sich barackenweise auf dem Exerzierplatz gruppieren. Im Falle, daß ein Häftling fehlte, mußten alle anderen Häftlinge auf dem Exerzierplatz stehenbleiben, bis der fehlende Häftling sich einfand, oder gefunden wurde. Dies dauerte oft mehrere Stunden oder Tage. Im Winter bedeutete dies Erfrierungen oder sogar den Tod, da die Häftlinge nur schlecht bekleidet waren. Wenn ein Mithäftling zusammensank, so durfte ihm nicht geholfen werden.

Nach dem Zählappell gab es dann das Abendessen.

Um 20.45 Uhr hieß es dann "Alles in die Baracken!", und das erste Signal ertönte. Um 21.00 Uhr "Alles in die Betten!", "Licht aus!", das zweite Signal ertönte. Wenn die Häftlinge dann nicht in ihren Baracken waren, hatte die SS das "Recht", auf sie zu schießen.

Im Winter wurde um 5.00 Uhr geweckt und dann bis zum Sonnenuntergang gearbeitet. Die Baracken, in denen die Sträflinge wohnten, waren zu späterer Zeit maßlos überfüllt. Auch im Winter hatten sie mit den Baracken einige Schwierigkeiten, denn am Anfang mußten sie frieren, und als sie dann endlich einen Ofen bekamen, erstickten sie beinahe an dem Rauch, den er verursachte.

Die Ernährung im Konzentrationslager Dachau

von JULIA ZICKERICK

Die Ernährung der Kriegsgegner, Polen, Juden und teilweise sogar Homosexuellen, die nach Dachau in Haft kamen, war sehr schlecht:

Zum einen, weil es zu diesen Zeiten sehr schwer und teuer war, in größeren Mengen Lebensmittel geliefert zu bekommen, und zum anderen, da die KZBewohner nicht richtig zu Kräften kommen sollten.

Aufgrund einer "Essensentzugsstrafe" mußten sie oftmals ganz auf ihr Essen verzichten. Diese Verordnung bestand, um ihr "Fehlverhalten" zu bestrafen. Jeder Aufseher war dazu berechtigt, diese Strafen zu verteilen.

Ansonsten mußten sich alle Gefangenen drei mal am Tag in Reih und Glied in der Kantine versammeln. Danach wurde abgezählt und mit der Essensausgabe begonnen.

Ein KZBewohner bekam morgens 350 g Brot, 1,5 l Ersatzkaffee, mittags 5x pro Woche Rübensuppe, 1x Nudelsuppe und abends 20 30 g Wurst oder Käse mit etwas Brot.

Den Behörden wurden falsche Angaben zugeschickt, so daß diese nie dahinterkamen, wie die Menschen dort hungerten.

Zum Schluß ist es, meiner Meinung nach, sehr wichtig zu erwähnen, daß die Menschen in Dachau neben brutalen Massenerschießungen, Vergasungen etc., vor Hunger gestorben sind.

Die Lagerleitung

von BEATE SEITZ

Der Nachfolger Hilmar Wäckerles, Theodor Eicke, der genauso wenig eine Persönlichkeit besaß wie sein Vorgänger, leitete eine Zeitlang das KZ in Dachau.

Er besuchte zuerst die Volksschule, dann die Realschule, die er aber ohne Abschluß wieder verließ. Der Versuch, einen Zivilberuf zu erlangen, scheiterte. 1920 versuchte er über die Polizeischule in Cottbus sein Ziel zu erlangen. Trotz der bestandenen Kommissarprüfung fand er keine Stellung. Erst bei der Schutzpolizei in Weimar fand er ein Unterkommen. Nach vielen weiteren Versuchen, eine für ihn angemessene Arbeit zu finden, scheiterte er, da er wegen nationalsozialistischen Einstellung für immer quittiert wurde. In der Zeit von 1923 bis 1932 beschloß er sich ganz den Nationalsozialisten anzuschließen. Zuerst ging er zu der SA, ein paar Jahre später saß er schon in der NSDAP. Seine eigene Karriere begann erst bei dem Eintritt in die SS 1930. Erst wurde er zum Untersturmführer ernannt, dann zum SSStandartenführer und schließlich am 21. Oktober 1932 erlangte er den Rang des SSFührers. Nachdem er die ersten Formationen des schwarzen Korps gegründet hatte, zahlte sich sein Einsatz aus. Ende 1930 wurde er an die Spitze des SSSturms in Ludwigshafen gestellt. Zwei Jahre später scheiterte sein Glück bei einem Streit mit dem Gauleiter Josef Bürckel, der ihn beschuldigte, Bombenattentate vorbereitet zu haben. Am 15. Juni 1932 wird er zu zwei Jahren Zuchthaus verurteilt. Mit List täuschte er während seiner Haft eine Krankheit vor und wurde daraufhin auf freien Fuß gesetzt. Nach einer kurzen Untertauchung am Gardasee trat Eicke am 26. Juni '33 seinen Dienst in Dachau an. Die eigentliche Ernennung zum Kommandanten des KL Dachau folgte erst 1934. Für die Häftlinge besserte sich die Lage nicht, manche sagten, es ginge ihnen noch schlechter, da die Strafen erheblich gestiegen sind. Da Eicke für die Schutzhäftlinge nur Verachtung kannte, ließ er die "Disziplinar und Strafordnung" einrichten. (vgl. Artikel von Marc Goldschmidt)

Erstmals führte er im Lager die Prügelstrafe ein. Zunächst beschränkte er sich auf 25 Stockhiebe, die aber später auf fast das doppelte erhöht wurden. Als weitere Neuerung ordnete Eicke die Strafe des Pfahlbindens an, bei dieser Strafe wurde der Häftling mit Seilen an den Handgelenken an einen Pfahl gebunden, so daß er knapp über dem Boden hing. So hing er dann Stunden manchmal auch bis zu zwei Tagen. Ebenso als Nebenstrafe gab es das Strafexerzieren, der Kostenentzug und die Postsperre, die bei den Häftlingen psychische Schäden hervorriefen. Teilweise mußten sich die Häftlinge gegenseitig die Arme, Handgelenke und Schultern wieder einkugeln. Oft führten die Stockhiebe zum Tod, da nach wiederholtem Mal die Niere freigeschlagen war.

Bei einer Entlassung, die selten vorkam, mußte man eine Erklärung unterschreiben, in der man sich verpflichtete, das auferlegte Schweigegebot strikt einzuhalten. Wieder eingeliefert zu werden bedeutet die Hölle. Man wird als sozusagener Zweitmaliger eingestuft in die Strafkompanie (SK), und kann somit sein weiteres Leben vergessen.

Verordnungen vom 1.10.1933

von MARC GOLDSCHMIDT

Am 1. 10. 1933 bekam der KZFührer einen Brief, in dem stand:

Strafen gültig von Einlieferung bis Entlassung; vollziehende Strafgewalt in der Hand des Lagerkommandanten

6 8 Tage strengster Arrest mit je 25 Stockhieben am Anfang und am Ende der Strafe:

1. Wer einem SSAngehörigen sich spöttisch äußert und die vorgeschriebenen Ehrenbezeugungen absichtlich unterläßt.
2. Wer als Gefangenenfeldwebel oder Korporalschaftsführer, andere Mitglieder oder Arbeiter benachteiligt; falsche Aussagen über sie bei den SSAngehörigen macht oder sich über Gleichgesinnte stellt oder seinen Stand ausnutzt.

7 14 Tage strengster Arrest:

1. Wer seine Unterkunft wechselt ohne Kompanieführer zu fragen oder andere zu Straftaten anstiftet.
2. Wer in den Waschpaketen verbotene oder im Lager hergestellte Gegenstände beifügt oder sie einnäht oder versteckt.
3. Wer die Baracken nicht durch die Tür sondern durch Fenster oder versteckte Luken verläßt.
4. Wer in Unterkünften oder Aborten raucht oder feuergefährliche Gegenstände aufbewahrt. Bei Brand ist der Verdacht auf Sabotage sehr groß.

8 14 Tage strengster Arrest mit je 25 Stockhieben am Anfang und am Ende der Strafe:

1. Wer das Lager ohne Erlaubnis betritt oder verläßt, wer sich marschierenden Arbeitskolonnen unerlaubt anschließt.
2. Wer sich in Briefen schlecht gegenüber dem Staat, Führer Einrichtungen und Behörden ausdrückt.
3. Wer verbotene Stoßwaffen, Werkzeuge, Hiebstöcke und andere körperverletzende Gegenstände in Strohsäcken aufbewahrt oder besitzt.

9 21 Tage strengster Arrest:

1 . Wer staatseigene Gegenstände beschädigt, zerstört, verschleppt oder sie einarbeitet.

10 42 Tage strengster Arrest oder dauernde Aufbewahrung in Einzelhaft:

1. Wer Geldbeträge im Lager sammelt oder andere zum Schweigen verpflichtet.
2. Wer an andere Mitarbeiter Geld verteilt oder, wenn das Geld aus roter Hilfe kommt,
3. Wer einem Geistlichen Mitteilungen macht, wenn sie außerhalb der Seelsorge liegen oder dem Geistlichen Briefe und Mitteilungen zusteckt.

11Erhängt:

1. Bei Aufwiegelung, Zusammenschluß mit anderen Lagerhäftlingen, parteigegnerische Reden hält oder Lichtsignale gibt.

12 Erschossen mit Kopfschuß:

1. Wer SSAngehörige angreift, Arbeitsverweigerung, Meuterei, johlt und schreibt sowie bei Märschen hetzt.

13Zum Tode verurteilt:

1. Wer Sachschäden durch Brand und Explosionen verursacht, Sabotage der Sicherheitsvorkehrungen (Draht, Mauer, Stacheldraht usw.) oder Heizungen sowie Kesselanlagen beschädigt.

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1. Arrest in Zelle bei hartem Lager, bei Wasser und Brot.
2. Strafarbeit, harte körperliche, schmutzige Arbeit.
3. Nebenstrafen. Strafexerzieren, Prügel, Postsperre, Kostentzug, hartes Lager, Verweis und Verwarnung, Aktenvermerk.
4. Arrest und Strafarbeit, Verlängerung Schutzhaft auf mindestens 8 Wochen, Nebenstrafe 4 Wochen. Bei Einzelhaft war keine absehbare Entlassung möglich.

Medizinische Experimente im KZ Dachau

von CHRISTIAN BIPPES und DANIELA DIETSCHE

Die medizinische Lage im Konzentrationslager Dachau war schlecht. In Dachau gab es viele Kranke, die entweder an Unterernährung , Kreislaufstörungen, Furunkulose, Phlegmonen, Tuberkulose, Hungerödemen oder einer der Krankheiten, die angeblich von osteuropäischen Gefangenen eingeschleppt wurden, litten. Diese Krankheiten waren zumeist Krankheiten, die sich seuchenartig ausbreiteten, wie z.B. Ruhr, Typhus und die Krätze. Die Einlieferung der Kranken in den Krankenbau hing nicht vom Arzt, sondern vom Lagerführer ab. Außer den schlimmen Verhältnissen in Dachau, die heute jedem bekannt sein dürften, gab es noch einige weitere Dinge, die damals nicht an die Außenwelt gelangten. Medizinische Versuche an zum Tode, kranken verurteilten Häftlingen oder an sonstigen Inhaftierten, wie z.B. Juden, Zigeunern, Russen und Polen.

Die Kranken wurden zu Versuchen benutzt, bei denen man biochemische Medikamente testete. Wenn es für die zu testende Krankheit nicht genug Kranke gab, so wurden einfach manche Gefangene mit der Krankheit infiziert. So geschah dies zum Beispiel bei Sepsis. Es wurden auch noch andere Krankheiten "behandelt", z.B. Malaria, Chron. Ischias, Gallensteine, Nephrose, Pheuraempyem, Furunkulose und Abszesse, infizierte Operationswunden, phlegmöseitrige Prozesse und Endocarditis. Sepsis konnte durch biochemische Mittel nicht aufgehalten werden, und bei Malaria wirkten sich biochemische Mittel gar nicht aus. Für die Versuche mit biochemischen Mitteln gab es in Dachau unter Dr. Rascher 40 Versuchspersonen, von denen 35 Versager (davon 10 tot), 1 positiv und 4 eingeschränkt positiv waren.

Es gab aber auch noch andere Versuche wie die Unterkühlungsversuche. Diese wurden durchgeführt, um die Überlebenschance eines ins Meer gestürzten Piloten festzustellen.

(<- Abb. Dachau) Dazu wurde der Häftling mit der Pilotenmontur in einen Wasserbehälter gelegt. Eine Schwimmweste gehörte mit zur Ausstattung, um ein Ertrinken zu verhindern.

Die Wassertemperaturen betrugen 12&deg;C bis 2,5&deg;C (manchmal auch noch kälter). Es gab Versuche, bei denen der Häftling den Kopf im Wasser hatte, und andere , bei denen der Kopf im Wasser lag. Es gab aber auch Kälteversuche im Freien. Die Häftlinge wurden nur mit wenigen Kleidern, manche sogar ohne Schuhe bis zu 14 Stunden bei 6&deg;C im Kalten stehengelassen.

Die einzige Rettung war ein heißes Bad oder die Sauna, für viele kam dies aber zu spät, bei den anderen stellten sich Mattigkeit und Ohnmacht ein.

Für die Versuche, bei denen die Genießbarmachung von Meerwasser erforscht wurde, sollten Juden und Zigeunermischlinge aus Auschwitz benutzt werden. Doch ein Vorgesetzter von Dr. Rascher fand, daß die Zigeuner nicht für diese Versuche verwendet werden sollten, da man die Versuchsergebnisse von Zigeunern nicht auf europäische und besonders deutsche Männer übertragen könne. Man sollte anstatt der Zigeuner lieber Gefangene europäischer "Rassen" nehmen.

Eine andere Art der Versuche waren die Höhenflugversuche, bei denen man bemerkte, daß ein Mensch in 12km Höhe nicht ohne Druckanzug überleben kann. Es gab allerdings einen Fall, in dem ein zum Tode Verurteilter zu einem solchen Versuch eingeliefert wurde und trotz mehrmaliger (3) Versuche überlebte, obwohl der Arzt garantiert hatte, daß diese Versuche tödlich seien. Für Häftlinge, die dennoch überlebten, gab es ein Begnadigungsgesetz. Da dieser Häftling allerdings Pole war, galt dies nicht, und er wurde auf andere Art getötet. Dieses Gesetz galt auch bei Russen nicht.

Die Toten, die im KZ "anfielen", wurden auch zu Forschungszwecken benutzt. Man sezierte sie, um Präparate, die man fotografierte, zu gewinnen und um z.B. das Gehirn genauer zu erforschen.

Die Menschen, die allerdings überlebt haben, waren sowohl psychische als auch physische Krüppel und für ihr ganzes Leben gezeichnet. Aber das waren ja sogar diejenigen, die "nur so" im KZ leben mußten und lebendig herauskamen.

Medizinische Experimente im Dienst der Wissenschaft

von DANIEL MARTELLENGHI

(<- Abb. Dachau) Die hochspezialisierten deutschen Wissenschaftler revolutionierten im zweiten Weltkrieg die gesamte Waffentechnik. Die Alliierten wollten nach der Kapitulation Deutschlands von ihrem Wissen profitieren, indem sie die Labore der Deutschen plünderten und Wissenschaftler festnahmen. Der Geheimdienst der Alliierten machten die Labore ausfindig. Die ersten Labore, die sie besetzten, waren die "WaltherWerke", die den UBootbau revolutionierten, und das "HermannGöringLuftfahrtForschungsinstitut" in Volkenrode. Bei diesen Plünderungen erkannten sie, daß die deutschen Forscher allen Ländern um Jahre voraus waren. In Nordhausen im Harz fanden sie eine unterirdische Fabrik, in der V2Raketen produziert wurden. Die Fabrik wurde als Aladins Wunderhöhle bezeichnet. Diesen Namen bekam die Fabrik wegen ihrer skrupellosen Haltung gegenüber ihren Sklavenarbeitern. Hier erfuhren die Alliierten erstmals etwas über die Umstände der Gefangenen. 20 000 Sklavenarbeiter wurden allein in dieser Fabrik gehalten. Nach ihrer Befreiung starben trotzdem täglich 4 Gefangene aufgrund zu hoher Belastung und Unterernährung. Die Wissenschaftler wurden für ihre Sklavenhaltung nicht bestraft , sondern wurden als Arbeitskollegen angesehen und arbeiteten Hand in Hand mit den Amerikanern. Deutsche Mediziner führten eine Reihe von Versuchen an Testpersonen durch. Der Verantwortliche dafür war Dr. Holzlöhner, der nach einem Verhör Selbstmord beging. Nach weiteren Ermittlungen fanden die Alliierten noch mehr Beweismaterial für Menschenexperimente. Auch Zeugen aus den Gefangenenlagern berichteten über Versuche mit Menschen. Ein Zeuge berichtete in einer Radiosendung über den Versuch, in dem eine Testperson unterkühlt und anschließend auf 4045 Grad Celsius erwärmt wird. Diese Veröffentlichungen empörte die Gesellschaft und die Alliierten. In Dachau wurden unter der Leitung von Dr. Siegfried Ruff und seinem Assistenten Dr. Hans Romberg Versuche mit den dortigen KZHäftlingen in einer Unterdruckkammer durchgeführt. Es wurden 200 Experimente dieser Art durchgeführt, die letztendlich ergaben, daß ein Mensch ohne Druckanzug in 12km Höhe keine Überlebensschance hat. Für dieses Ergebnis verloren 80 Lagerhäftlinge ihr Leben. Die Verantwortlichen für diese Experimente wurden nie zur Rechenschaft gezogen, da sie dafür sorgten, daß ihre Namen nirgendwo auftauchen. Selbst nach Ende des Krieges führten die Mediziner ein angenehmes Leben durch Unterstützung der Alliierten weiter. Den meisten Medizinern gelang es, ihre Vergangenheit zu vertuschen. So wurden sie beauftragt, für die Amerikaner zu arbeiten. Ein kleiner Teil von Medizinern, dem es nicht gelungen war, von seiner Schuld abzulenken, wurde verurteilt. Nach dem Krieg waren alle Wissenschaftler damit beschäftigt, ihre Vergangenheit zu vertuschen. Auch die amerikanischen Behörden halfen einigen von ihnen.

Massenerschießungen

von LUTZ HAAS

(<- Abb. Dachau) Massenerschießungen wurden vor allem von den Nationalsozialisten während des zweiten Weltkriegs durchgeführt. Ob es sich hierbei um eine abschreckende Maßnahme oder nur um eine sadistische Darbietung handelte, ist nicht ganz klar. Fest steht jedoch, daß die Nationalsozialisten Massenerschießungen gerne als abschreckendes Beispiel einsetzten, um die Bevölkerung gefügig zu machen. Eine Massenhinrichtung lief immer nach demselben Schema ab: eine Reihe Menschen, meist Gefangene oder Juden, mußte sich vor einem großen Graben aufstellen, und wurde dann entweder durch einen Mann mit einem MG getötet, oder es gingen zwei Nazis durch die Reihen, und töteten die einzelnen Personen mit einem Kopfschuß. Hierbei wurden auch gerne grausame Spielchen von den Nazis getrieben. Zum Beispiel wetteten sie, ob sie mit einem Schuß zwei Juden töten könnten, um so Munition zu sparen. Bei Deserteuren, die gefaßt worden waren, wandte man eine andere Taktik an. Diese Menschen mußten sich ihr eigenes Grab schaufeln, sich davor aufstellen und wurden dann erschossen. Hierbei fanden es die Nazis "vorteilhaft", daß die Toten gleich in ihr Grab fielen, so müsse sich "keiner mehr die Hände schmutzig machen!". Die Massenerschießungen nahmen zu, als sich die Niederlage im Krieg abzeichnete. Die Nazis fürchteten um die Befreiung von zu vielen Menschen aus ihren Konzentrationslagern und begannen deshalb die Lagerinsassen regelrecht "abzuschlachten". Oft wurden sie einfach vor die Gräben, die eigentlich eine Flucht verhindern sollten, gestellt und dann erschossen. Diese Methode fand man später auch in Vietnam, wo es zu ähnlichen Massenhinrichtungen kam. Keiner derjenigen, die in einer solchen Reihe standen, überlebte. Am Ende des Krieges verhinderten die Siegermächte ein Fortführen dieser Grausamkeit.

Fronarbeit

von CHRISTINE DENAUW

Arbeit macht frei" steht über dem Eingangstor zum Dachauer KZ. Ein schrecklicher Scherz, denn die Arbeit, die die Häftlinge dort vollbringen mußten, machte alles andere als frei.

Die Menschen dort mußten schwere und dreckige Arbeit leisten, Arbeit die über ihre Kräfte ging. Obendrein wurden sie gedemütigt und hart bestraft, wenn mal was nicht so lief, wie es sich die SSMänner vorstellten. Es gab viele verschiedene Arbeiten, z.B. das Walzen der Lagerstraßen, die Plantagenarbeit, Arbeit in der Kiesgrube, das Schneekommando, Moorexpress oder Eßkübelschleppen. Jede Arbeit war hart und manche auch gefährlich, und alle waren eine Zumutung. Für das Walzen der Lagerstraßen mußten 1016 Lagerinsassen die schwere Walze ziehen. Dabei wurden sie von den SSMännern beaufsichtigt und bekamen Extraarbeit, wenn sie ein Vergehen begingen. Viele fielen vor Erschöpfung um, brachen zusammen. Beim Kommando "Plantagenarbeiteten" hauptsächlich Juden und Geistliche. Sie mußte Wasser auf die Plantagen bringen, und es wurden ihnen Pflug und Egge angespannt. Die Äcker waren mit Heilpflanzen, Blumen und Teesorten bepflanzt. Und diese hatten die Gefangenen zu pflegen und zu ernten. Einen Spaß machten sich die SSMänner daraus, Mützen der Häftlinge auf neutrales Gebiet zu werfen und sie dann zu erschießen, wenn sie sie holten. "Fluchtversuch" war die Begründung.

In der Kiesgrube war es auch sehr hart. Hunde bellten laut und liefen um die Häftlinge herum, während diese mit dem Pickel den Kies aus dem Boden hauten und diesen mit der Schaufel gegen einen Drahtzaun warfen, damit sich der Kies vom Sand trennt. Mit erniedrigenden Rufen wurden sie von den SSLeuten zur Arbeit angefeuert. Bei dieser Arbeit gab es viele Hautaufschürfungen und Kreuzprobleme.

(<- Abb. Dachau) Das Schneekommando war sehr gefürchtet, denn im Winter wurde im Lager kein Schnee geduldet. Das Lager mußte immer sofort vom Schnee befreit werden. Doch morgens lag er schon öfters 20 bis 50 cm hoch. Etwa 1000 Mann, meist Geistliche, mußten mit Brettern und Schaufeln den Schnee in Karren oder auf Tischplatten schaufeln. Unter der großen Last der Tischplatten brachen öfters ältere Geistliche zusammen. Auch bei dieser Arbeit wurden die Häftlinge gehänselt und geschlagen (z.B. Peitschenhiebe).

Der Moorexpress war ein alter, schwerer Karren, womit die Transporte erledigt wurden. Dabei wurden die Häftlinge wie Pferde eingespannt, und von hinten mußten noch welche schieben. Sie wurden wie Tiere behandelt, zum Galopp aufgerufen und mit einem Stock geschlagen. So "trabten" sie viele Kilometer in der Hitze. Oft brachen sie auch zusammen, denn diese Sklaverei ging über die Kräfte der Männer hinaus.

Wer vom Eßkübelschleppen hörte, glaubte, daß dies eine angenehmere Arbeit sei. Doch sie irrten sich gewaltig. Der Boden in der Küche war glitschig, die großen Dampfkessel mit Suppe kochend heiß und die Treppe aus der Küche heraus steil. Die Häftlinge waren geschwächt, und öfters passierte es, daß sie ausrutschten und sich heiße Suppe über sie ergoß. Später wurde beschlossen, die Kessel mit Wagen zu transportieren.

Im Laufe der Zeit wurden Häftlinge in Rüstungsbetrieben eingesetzt. Dort kamen sie mit Zivilarbeitern in Kontakt, und die Behandlung war besser. Die Gefangenen standen nicht mehr unter der Kontrolle der SS, das war das wichtigste.

Arbeitseinsätze der Häftlinge im KZ Dachau

von STEFFEN BÄUERLE

Heinrich Himmler am 4.10.43: "... ob die anderen Völker in Wohlstand leben oder ob sie verrecken vor Hunger, das interessiert mich nur soweit, als wir sie als Sklaven unserer Kultur brauchen, anders interessiert mich das nicht. Ob bei dem Bau eines Panzergrabens 10000 russische Weiber an Entkräftung umfallen oder nicht, interessiert mich nur in soweit, als der Panzergraben für Deutschland fertig wird."

Die Richtlinien und die Einstellungen gegenüber den Häftlingen waren sehr hart. Der Chef der Sicherheitspolizei schreib am 23.03.1943 in Berlin an Dachau betreffend verstärkter Einweisungen in die Konzentrationslager: Arbeitsfähige Häftlinge und Jugendliche sollten nur mit den gegebenen Richtlinien in die KZ eingeliefert werden, da es sonst gegen den beabsichtigten Zweck verstoßen und eine Belastung gegen das KZ hervorrufen würde. Bei Jugendlichen, mit nicht vorgegebenen Richtlinien, die bereits im KZ verweilten, wurde unverzügliche Rücküberstellung gefordert, sofern nicht die Unterbringung im Jugendschutzlager erforderlich erschien.

Richtlinien der Jugendlichen:

Reichsdeutsche mußten mindestens 18 Jahre sein.
Polen und Ostarbeiter mußten mindestens 16 Jahre sein.
Die Arbeitszeit war vom Morgengrauen bis zum Einbruch der Dunkelheit.

Die Arbeitseinteilung erfolgte täglich neu. Dabei verwendete man solche Formulare:

Die Arbeitseinsätze waren sehr unterschiedlich. Arbeit an der Straßenwalze im Lager, am Steinbruch in Flossenbürg und Mauthausen (nach der vorübergehenden Räumung), aufbauen und verbessern von Schutzwällen und Zäunen und natürlich die gesamte Rüstungsindustrie waren typische Einsätze der KZHäftlinge.

Fabriken wie:

Messerschmidt AG ( Dachau, Augsburg, Memmingen
BMW (Allach, Kaufbeuren, Blaichbach)
Luftschiffbau Zeppelin GmbH Friedrichshafen
Bautz ( Saulgau, Württemberg
Rohrmattenfabrik ( Dachau )
Farbenfabrik (AnorganaGendorf)
Dornierwerke (Neuaubingen)
Hochfrequenzforschung (1. Kimmel, 2. SchröderEntwicklungen)
waren Häftlingsarbeitsplätze.

Hohe Sicherheitsmaßnahmen bei den Überführungen von den Konzentrationslagern zu den Betrieben wurden getroffen.

Die einzelnen Betriebe erhielten jedoch meist weniger Häftlinge als vorgesehen. Die Schuld an Unkosten und Schäden wurden meist den Häftlingen angerechnet.
Z.B. berichtete die Gemeinnützige Wohnungs & Heimstättengesellschaft am 10.01.39 in München von Erdbewegungen, die von Häftlingen ausgelöst wurden und so zu Unkosten führten. In der Abrechnung seien aber Rechenfehler.
Die Abhängigkeit der Firmen von den Arbeiten der KZHäftlinge war unübersehbar:
Am 22.12.43 unterrichtete die Porzellan Manufaktur ( AllbachMünchen; WestDachau ) von einer Schadensanmeldung:
Die im Januar 1943 ausgebrochene Typhusepidemie machte von 26.01.43 3.3.43 alle Arbeitshäftlinge arbeitsunfähig. Am 4,5,6.03.43 waren nur 20 arbeitsfähig. Seit Jahren sei die Firma vom Häftlingseinsatz abhängig. Durch die Stillegung im Januar und den verringerten Einsatz entstand ein Schaden von 31 800 DM. Die Firma verlangte Anerkennung und Vergütung des Betrages.

Das Wirtschaftsverwaltungshauptamt schrieb am 11.04.44 in Oranienburg, betreffend der sich häufenden Sabotagefälle von Häftlingen in Dachau, daß härtere Strafen bei nachgewiesener Sabotage zu leisten seien. Öffentliche Hinrichtungen und Exekutionen durch den Strang sollten als Abschreckung dienen.

Zigeuner in Deutschland zur Zeit des Nationalsozialismus

von ANGELA FRANK

Zur Zeit des Nationalsozialismus wurden neben den Juden auch zahlreiche andere, sogenannte "niedere Rassen", verfolgt. Dazu gehörten auch Minderheiten wie Homosexuelle, Zeugen Jehovas, Kommunisten und Zigeuner. (Der Name Zigeuner stammt vermutlich von "Gauner, der umherzieht", aber es gibt noch unendlich viele andere Theorien.). Die Zigeunerverfolgung ist allerdings nicht erst, wie vielleicht vermutet, unter dem nationalsozialistischem Regime entstanden. Sie war schon ab dem 15. Jahrhundert großgeschrieben, der Haß war dann bis zum Nationalsozialismus immer wieder vertreten. Das sogenannte "Zigeunerproblem" wurde dann von den Nationalsozialisten im Jahre 1937 wieder aufgegriffen.

Die erste Stufe der Erniedrigung war, daß die Nazis an den Zigeunern Rufmord begangen haben. Sie unterstellten den Zigeunern dieselben Delikte wie den anderen Verfolgten. So zum Beispiel, daß sie Atheisten, Diebe, Spione, Schmuggler, asoziale Arbeitsscheue, Hexer, Aufrührer oder sogar Menschenfresser seien. Oft wurden sie auch mit "Negern" verglichen, die damals ebenfalls als minderwertig angesehen wurden. Ihre grausamen und unverantwortlichen Maßnahmen bezeichneten sie als "kriminalpräventiv".

Als das Volk davon überzeugt war, daß Juden und Zigeuner Verbrecher seien, und da mittlerweile auch schon die Vermischung von Ariern und Zigeunern als "Vervielfältigung organisch angelegter, erheblich bedingter Delikthaftigkeit" dargestellt wurde, zeigten viele gute Bürger, oft aus Angst, ihre bis vor kurzem gewesenen Freunde an. Für die Zigeuner wurden so auf einmal selbst gute Nachbarn zum Feind. Die Nazis erfaßten dann die Zigeuner "planmäßig", deportierten sie in Arbeits- oder Konzentrationslager und vernichteten sie dort systematisch.

Aber selbst in unserer doch recht aufgeschlossenen Welt werden Minderheiten, zu denen auch die Zigeuner zählen, benachteiligt.

Nach den Grundgesetzen der PD GG Art.3,13,3 gilt dagegen heute:

(1)Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.

(2)Männer und Frauen sind gleichberechtigt.

(3)Niemand darf wegen seines Geschlechts, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden.

Es geschah vor 50 Jahren Karlsruhe 1945

von TATJANA STUPPERT

Die Geschehnisse gehören nicht in die Geschichte, sondern in des Teufels Gesangbuch. Die Lager glichen Irrenanstalten, aber in der Umkehrung, denn wahnsinnig waren nicht die Insassen, sondern das Personal." (Erich Kästner).

Das Inferno begann mit der Massendeportation von Karlsruher Juden nach Südfrankreich ins Lager Gurs, das KZ Insassen als "Vorhölle für Auschwitz" bezeichnen. Es gab dann auch kleinere Transporte nach Ostpolen und ins KZ Theresienstadt, die sehr oft den sicheren Tod bedeuteten.

Eine der damaligen KZ Insassinnen war Martha Gemmeke, die Witwe des wegen jüdischer "Versippung" entlassenen Schauspielers vom Bad. Staatstheater, Paul Gemmeke.

Die letzte "Evakuierung" Karlsruher Juden war am 9.2.1945. Die Amerikaner standen vor Köln, die Sowjets vor Königsberg und Breslau und über KA britische Jagdbomber. Am Morgen dieses Tages trafen sich im Haus der Gestapo in der Ritterstr. 28/30 jüdische Mitbürger, deren Ehepartner Christen oder als Mischehekinder mosaischen (jüd.) Glaubens vor den Deportationen bisher verschont geblieben waren. Sie erfuhren, daß sie sich am 14.2.'45 im Hauptbahnhof zum "Arbeitseinsatz" einzufinden hätten. An diesem Datum schwankte die Stimmung zwischen Angst und Ungewißheit, doch man glaubte, es handle sich nur um einen Zwangsarbeitseinsatz. Der Transport kam am 16.2. bestehend aus 17 Karlsruhern und 13 weiteren Personen aus ganz Baden in Theresienstadt an.

Jozsa Tensi, damals 48 Jahre, die zur evang. Kirche konvertiert war, glaubte kaum, daß einer noch lebend "rauskäme". Sie schrieb in ihr Tagebuch: "Ich habe Hunger, der Durst quält mich sehr. Manchesmal glauben wir vor Hunger vergehen zu müssen". Frau Tensi mußte im Lager Lumpen von verstorbenen oder liquidierten Juden sortieren, später arbeitete sie in der Tischlerei. Sie erhielt 150 g Tagesration Brot und 50 weitere Gramm (Schwerstarbeiterzuschlag) und 4 mal / Woche abends 45 kleine Kartoffeln. Es kamen Tausende Häftlinge aus geräumten Lagern im Osten an. ("Aus den Zügen wurden buchstäblich die Toten herausgeschaufelt , die noch Lebenden kann man kaum als Menschen bezeichnen"). Der Mittelpunkt der Karlsruher Gruppe war Leopold Rosenberg, der nach der Befreiung durch die Sowjets später Vorsitzender der neugegründeten kleinen Jüd. Kultusgemeinde wurde.

Die andere Seite des jahrelangen Terrors

Einige Überlebende hatten Glück im Unglück. Z.B. warnte ein Bahnbeamter Juden vor einem bevorstehenden Abtransport.Arthur Schwall (aus Daxlanden ) überredete einen Arzt, seiner jüd. Frau eine fiebererzeugende Spritze zu geben, damit sie transportunfähig wurde. Amtsgerichtsrat Karl Eisemann und die Geschwister Kahn fanden Zuflucht in einer Gartenhütte eines Notars im östlichen Turmberggebiet, wo es keine Heizung gab und die sie am Tag nicht verlassen durften. Nach 8 Wochen, am 5.4., wurden sie von Franzosen befreit.

Der Kaufmann Adolf Loebel und zwei Jugendliche aus Berlin entgingen ebenfalls der Deportation, ihr Retter war der Kreis um die Familien des Kioskbesitzers Otto Hörner (Südstadt) und des Tabakhändlers Kohm. Hörner hatte eine Gartenhütte im Norden von Ettlingen, Mutter Kohm versorgte die untergetauchten Juden, da diese keine Lebensmittelkarten hatten, sowie die Familie Walschenburger, die einen Hof besaß.

Die Frau des Lehrers Zweifel , eine Jüdin, stieß auch zu der Gruppe. Zweifel sagte, seine Frau habe sich umgebracht, da sie depressiv gewesen sei. Im März '45 wären die Schutzsuchenden beinahe von der Polizei, die die Hütten auf dem Grundstück nach geflüchteten franz. Kriegsgefangenen durchsuchte, gefunden worden. Ihre Rettung waren die Franzosen. Nach Otto Hörner wurde ein Weg benannt, doch über die Ereignisse auf dem Turmberg gibt nur das geschriebene Wort Zeugnis.

Fazit der Nazigreuelherrschaft sind ca. 6 Mio. in KZs und durch Vertreibung umgekommene Juden.

Heutige Ereignisse zu diesem Thema: am 1.3.1994 (l. Anschlag auf die Lübecker Synagoge), ein erneuter Brandanschlag in den letzten Wochen.

Das " Deckert Urteil", 2 Jahre Haft ohne Bewährung, wegen Verbreitung der "Auschwitzlüge", der Volksverhetzung und der Aufstachelung zum Rassenhaß. Deckert löste damit Ängste bei Juden aus, die fürchten, das Schicksal des 3. Reiches könnte sich wiederholen.

Die Reichskristallnacht in Karlsruhe

von ANJA PICKEL

Die Reichskristallnacht begann in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938. Sie endete am 11. November. In dieser Zeit wurden die jüdische Synagoge in der Kronenstraße und mehrere jüdische Geschäfte in der Kaiserstraße von der SA zerstört oder angezündet. Augenzeugen berichteten auch über die Zerstörung des jüdischen Hotels "Nassauer Hof". Mitten in der Nacht wurden die Gäste von der SA geweckt und mitgenommen. Sie drangen auch in jüdische Wohnhäuser ein, zerstörten die Einrichtung und nahmen die Männer mit, die dann am Morgen auf dem Marktplatz, der damals AdolfHitlerPlatz hieß, unter dem Spott und den Schlägen Karlsruher Bürger in Lastwagen verfrachtet wurden. Man sperrte sie in verschiedene Arrestlokale, von wo aus sie später am Abend nach Durlach in die Gottesauer Kaserne gebracht wurden. Dort wurden alle Männer über 60 und Männer, die mit christlichen Frauen verheiratet waren, abgesondert und freigelassen. Die übrigen, unter denen sich viele bekannte und hochgestellte jüdische Persönlichkeiten befanden, wurden zum Karlsruher Hauptbahnhof transportiert, in Züge gesteckt und ins Lager nach Dachau gebracht. Ein paar jüdische Mitbürger wurden jedoch von ihren deutschen Freunden, die über die Aktion informiert waren, gewarnt. Sie konnten sich rechtzeitig in Sicherheit bringen.

Insgesamt verhaftete man in Karlsruhe und Umgebung mindestens 1000 Männer. Einige von ihnen entließ man nach kurzer Zeit wieder aus Dachau, andere jedoch mußten dort mehrere Monate oder sogar auch mehr als ein Jahr verbringen.

Die Endlösung

von CHRISTOPH ESSIG

Mit meinem Beitrag über die "Endlösung" will ich erläutern, mit welcher perversen Sachlichkeit und mit welchem Geschäftssinn die Nationalsozialisten versuchten, ein Volk auszulöschen.

Schon vor der Machtergreifung Hitlers ließen die Nazis ihren Judenhaß in Zeitungen, Wahlreden, und Büchern (insbesondere "Mein Kampf") verbreiten. Sie sagten der Welt klar, was sie mit den "Weltvergiftern aller Völker" vorhatten. Jedoch war unklar, ob sie dies auch realisieren würden, wenn sie die Macht dazu hätten.

Am 30. Januar 1933 kam Hitler an die Macht, obwohl er nicht die absolute Mehrheit besaß. Schon bald wurden die Antisemitischen, die sich vor der Machtergreifung auf Grabschändung und Schlägereien beschränkten, nun durchorganisiert: z.B. wurden in ganz Deutschland jüdische Geschäfte, Praxen und Kanzleien von SAMännern blockiert (offiziell: "Volksboykott gegen die Ausbeuter") oder zu groß angelegten Pogromen (Reichskristallnacht) angestiftet beziehungsweise von Handlangern (Polizei, SA) durchgeführt.

Neben diesen öffentlichen Aktionen verschwanden die ersten Juden in extra ausgebaute Lager (sogenannte Konzentrationslager). Am Anfang wurden meist nur politisch links orientierte Juden verhaftet, doch wurden die Listen der Gestapo immer länger.

Bald mußten sich die Nationalsozialisten fragen, was man mit diesen Menschenmassen ("Im Zuge der Endlösung der europäischen Judenfrage kommen rund 11 Millionen Juden in Betracht." Reinhart Heydrich, SSObergruppenführer) machen solle.

Es kamen verschiedene Vorschläge auf den Tisch: Da war z.B. die Rede von der Deportation nach Madagaskar, was wegen Kostengründen fallengelassen wurde. Aber es war nicht nur die Kosten; die Führer des damaligen Deutschlands wollten eine endgültige Lösung der "Judenfrage", die sogenannte "Endlösung".

Ein anderer Vorschlag, der später auch aufgegriffen wurde, war, Europa von West nach Ost von Juden zu "säubern" und sie in Vernichtungslagern (Treblinka, Belzec, Auschwitz, Sobibor) zu töten.

Und auch mit der Tötungsart beschäftigten sich Staatssekretäre, hohe Beamte und SSFührer auf der Wannseekonferenz. Für sie war die Erschießung veraltet und unrationell; immerhin kostete diese Art viel Zeit und mindestens eine Kugel pro Person. Schon bald wurden neue Arten ausprobiert: mit den Abgasen eines Lkws, mit Monoxid und Zyklon B, einem Blausäuregas. Das letztere erwies sich als sehr rationell, und so wurden schnell in fast allen KZs Gaskammern eingerichtet.

Die deutschen Faschisten hatten nicht nur vor, das jüdische Volk auszuradieren. Sie sahen in ihnen einen Rohstoff, den es auszunutzen galt. Juden mußten Straßen bauen und in Betrieben (die teilweise heute noch existieren) bis zu völligen Erschöpfung arbeiten. Nach ihrem Tod wurden ihre Haare als Kissenfüllung verarbeitet, und es wurden den Leichen deren Zahnplomben aus Gold entfernt. Danach wurden die Leichen in Krematorien verbrannt. Der Abtransport der Massen konnte natürlich nicht komplett verheimlicht werden, und so wurden die Deportationen in Todeslager als Umsiedlungsaktionen hingestellt. Jedoch wurde hinter vorgehaltener Hand das Kürzel "KZ" geflüstert, und die verschiedenen offiziellen Maßnahmen gegen die Juden waren offensichtlich. So durften Juden nicht telefonieren, nicht rad und Auto fahren, sie bekamen weniger Lebensmittelkarten, sie wurden aus dem öffentlichen Leben ausgegrenzt, und für jeden war ihre Glaubenszugehörigkeit durch ein "J" im Ausweis und ein Davidstern an der Jacke ersichtlich.

Unter den Nationalsozialisten wurde eine Glaubenszugehörigkeit zu einem Grund für Diskriminierung und Hinrichtung. Zirka sechs Mio. Juden sind in dieser Zeit in Europa verhungert, an Krankheiten gestorben oder zu Experimenten mißbraucht, erschlagen, erschossen oder vergast worden. Diese Taten hatten und haben Deutsche zu verantworten. Unglaublich, daß heute, fünfzig Jahre danach, Leute diese Taten als Lügen darstellen.

(Abb. Dachau)